Frühlingserwachen der Kröten: Liebestour mit Gefahren
In den kommenden Tagen und Wochen erwachen Amphibien in ganz Deutschland aus ihrer Winterstarre und begeben sich auf ihre jährliche Liebestour. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) warnt Autofahrer eindringlich vor den gefährlichen Wanderungen der Tiere, die jetzt mit den frühlingshaften Temperaturen beginnen.
Gefährliche Straßenquerungen für tausende Amphibien
Steigt die Nachttemperatur mehrere Tage in Folge über fünf Grad Celsius, setzt die Wanderung zu den Laichgewässern ein. Nicht nur Kröten, sondern auch Molche und Lurche machen sich dann auf den Weg. "Sollten die Temperaturen wieder fallen, könnte die Hauptwanderung noch etwas dauern und regional sehr unterschiedlich einsetzen", erklärt Sascha Schleich vom Nabu.
Das Problem: Viele Straßen zerschneiden den natürlichen Lebensraum der Amphibien. Jedes Jahr werden dadurch tausende Tiere getötet, wenn sie Straßen queren müssen, um zu ihren Fortpflanzungsgewässern zu gelangen.
So können Autofahrer Krötenleben retten
Der Nabu gibt konkrete Verhaltensempfehlungen für Autofahrer:
- An entsprechend gekennzeichneten Amphibienwanderstrecken sollten höchstens 30 Stundenkilometer gefahren werden
- Besondere Vorsicht ist in den Abend- und Nachtstunden geboten, wenn die Wanderung hauptsächlich stattfindet
- Auch bei nicht gekennzeichneten Strecken in der Nähe von Gewässern ist erhöhte Aufmerksamkeit ratsam
Die Gefahr für die Tiere besteht nicht nur durch direkte Überfahrten. Schon der Luftdruck schnell fahrender Fahrzeuge kann die inneren Organe der Amphibien zum Platzen bringen. An manchen Orten stellen Naturschützer daher Fangzäune auf und tragen die Kröten sicher über die Straße.
Besonderes Fortpflanzungsverhalten der Erdkröten
Die Wanderung dient ausschließlich der Fortpflanzung. Bei Erdkröten kommt es dabei zu einem besonderen Verhalten: Manchmal funkt es schon auf dem Weg zum Gewässer, wie der Nabu berichtet. Die Männchen lassen sich dann bequem auf dem Rücken der Weibchen zum Laichgewässer tragen - ein echtes Kröten-Taxi.
"Es sammelt seine Kräfte, denn der Zeugungsakt kann mehrere Stunden dauern", erklärt Schleich. Am Gewässer angekommen, legt das Weibchen bis zu 6.000 Eier ab, die vom Männchen besamt werden. Die entstehende Laichschnur kann dabei bis zu fünf Meter lang werden.
Nach der erfolgreichen Fortpflanzung geht das Krötenpaar wieder getrennte Wege - die amphibische Liebesromanze ist beendet. Bis dahin aber müssen die Tiere viele Gefahren überstehen, wobei verantwortungsbewusste Autofahrer einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten können.



