Saatgut-Tauschbörse auf Burg Lenzen: Vielfalt erhalten und Gartentherapie erleben
Am Sonnabend herrschte volles Haus beim NABU auf der historischen Burg Lenzen, wo die siebte jährliche Saatgut-Tauschbörse stattfand. Bereits um 14 Uhr strömten zahlreiche Besucher ins BUND-Besucherzentrum, um samenfeste Sorten zu tauschen oder zu erwerben. Der Umweltverband setzt sich mit dieser Initiative gezielt für die Förderung heimischer Pflanzenarten ein und schafft eine Plattform für den Erhalt biologischer Vielfalt.
Alte und seltene Sorten im Fokus
Auf den Tischen reihten sich kleine Gläschen mit Samen von Zinnien, Roter Rübe, Soja, Chili, Johanniskraut und Wiesensalbei. Heiko Bölk, stellvertretender Leiter des Besucherzentrums, erläuterte: „Wir verschenken auch Samen aus unserem Burggarten, um von Anfang an ein vielfältiges Angebot zu schaffen.“ Neben der Tauschbörse boten BUND-Mitarbeiter Tütchen mit alten und seltenen Sorten an, darunter unzählige Tomatensorten wie „Rote Zora“, „Quedlinburger Frühe Liebe“ oder „Veni, vidi, vici“. Ergänzt wurde das Sortiment durch Stangenbohnen, Kürbis- und Möhrensamen, Zucchini, die Gurkensorte „Berliner Aal“, der Salat „Rheingold“ und der „Altmärker Braunkohl“.
Ivonne Gräf vom BUND-Besucherzentrum betonte die Beliebtheit dieser Sorten: „Sie sind nicht genmanipuliert, sondern ausschließlich ökologisch gezüchtete Samen ohne Hybride.“ Heiko Bölk fügte hinzu: „Diese alten Sorten haben seit Jahrhunderten überlebt und sind optimal an unsere Standorte angepasst.“ Trotz des anhaltenden Frostwetters rieten die Experten, bereits mit Paprika, Physalis oder Chili zu beginnen, während Tomatenpflanzen aufgrund der Kälte noch warten sollten.
Landwirt bewahrt historische Kartoffelsorten
Großer Andrang herrschte am Stand von Landwirt Reinhold Jacobs aus Mellen, der sich dem Erhalt alter Kartoffelsorten widmet. Er präsentierte das „Bamberger Hörnchen“, eine um 1870 zugelassene Sorte, die sich durch ihre lange, dünne und knollige Form von modernen Züchtungen unterscheidet. Jacobs erklärte: „Ich möchte die Entwicklung zeigen – von der hörnchenförmigen Knolle zur runden Form.“ Besonders beeindruckte die etwa 150 Jahre alte Sorte „Blauer Schwede“ mit violettfarbenem Fleisch, was laut Jacobs früher üblich war, bevor ab 1900 gelbfleischige Kartoffeln dominierten.
Für Jacobs steht nicht der Gewinn im Vordergrund, da die Erträge alter Sorten geringer ausfallen. Stattdessen geht es ihm um die Bewahrung der Vielfalt: „Jede Sorte hatte zu ihrer Zeit einen besonderen Wert.“ Seine Leidenschaft für historische Nutzpflanzen begeisterte die Besucher und unterstrich die Bedeutung solcher Initiativen für den Artenschutz.
Gartentherapie und praktische Ratschläge
Die Tauschbörse bot nicht nur Saatgut, sondern auch wertvolle Expertenratschläge. Edith Markel aus Lenzen nutzte die Gelegenheit, um Gurken-, Zwiebel- und Stangenbohnensamen sowie ein Rezept für Rote Bete zu ergattern. Sie betonte: „Hier sind viele Experten, die einem helfen können.“ Für sie ist das Gärtnern mehr als nur ein Hobby – es ist eine Form der Therapie. „Im Garten zu arbeiten, ist für mich Medizin und Therapie. Es ist sinnvoll, selbst Gemüse zu ernten und die Natur zu erleben.“
Die Veranstaltung auf Burg Lenzen zeigte eindrucksvoll, wie Saatgut-Tauschbörsen nicht nur die Biodiversität fördern, sondern auch Gemeinschaft und Wohlbefinden stärken. Mit Blick auf den anstehenden Pflanzen-Tausch im Mai bleibt die Burg Lenzen ein wichtiger Ort für umweltbewusste Hobbygärtner und Naturliebhaber.



