Schneeglöckchenwanderung am Labenzer See begeistert 38 Naturfreunde
Bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen versammelten sich am Sonntagnachmittag 38 bewegungsfreudige Menschen vor der Groß Labenzer Brücke. Die neunte Auflage der Schneeglöckchenwanderung der Gemeinschaft „Von Dorf zu Dorf – Wege verbinden“ lockte Teilnehmer aus Bützow, Warnow, Steinhagen, Qualitz, Eickhof, Eickelberg, Klein Görnow, Labenz, Güstrow und Wismar an. Die ungewöhnlich große Gruppe erregte sogar die Aufmerksamkeit neugieriger Dorfbewohner, die verwundert aus ihren Häusern blickten.
Das Frostschutz-Geheimnis der Schneeglöckchen
Gudrun Schützler aus Qualitz, Naturliebhaberin und Hobbybiologin, hatte sich intensiv auf die Wanderung vorbereitet. Sie begann mit einer bezaubernden Sage: „Es wird erzählt, dass der liebe Gott, nachdem er Berge, Flüsse, Wälder und Tiere erschaffen hatte, sehr erschöpft war. Doch bevor er ruhte, wollte er der Erde noch etwas Besonderes schenken: den Schnee.“ In dieser Geschichte habe nur das Schneeglöckchen Erbarmen mit dem farblosen Schnee gehabt und ihm seine weiße Farbe geschenkt. Als Belohnung dürfe es als einzige Pflanze durch geschlossene Schneedecken wachsen und blühen.
Wissenschaftlich betrachtet sind Schneeglöckchen (Galanthus) wahre Überlebenskünstler zwischen Winter und Frühling. „Sie produzieren, wenn es sehr kalt wird, statt Glukose Glycerin, welches wie ein Frostschutzmittel wirkt“, erklärte Schützler. Dieser biologische Trick senke den Gefrierpunkt und verhindere, dass der Zellsaft an frostigen Tagen gefriert. So könnten die zarten Pflanzen selbst bei Minustemperaturen gedeihen.
Ein Teppich aus weißen Glöckchen und weitere botanische Fakten
Entlang des Ufers des Labenzer Sees erwartete die Wanderer ein spektakulärer Anblick: Ein riesiger Teppich aus weiß-grünen Schneeglöckchen erstreckte sich über 600 bis 800 Meter. Die zarten Blüten wurden sofort zu begehrten Fotomotiven für Handys und Kameras. Elke Woitke und Rolf Niederstrasser von der Dorf-zu-Dorf-Gemeinschaft mussten besonders aufmerksam auf den Weg achten, um keine der empfindlichen Frühjahrsblüher zu zertreten.
Gudrun Schützler teilte weitere faszinierende Details mit den Teilnehmern:
- Es gibt 20 natürliche Schneeglöckchen-Arten, die aus Mittel- und Südeuropa bis nach Vorderasien und den Kaukasus vorkommen
- Zusätzlich existieren etwa 800 gezüchtete Sorten
- Die Wildarten tragen mindestens 12 weitere volkstümliche Namen wie Hübsches-Februar-Mädchen, Frühlingsglöckchen, Lichtmess-Glöckchen, Milchblume oder Schnee-Durchstecher
Von der Wanderung zum geselligen Picknick
Etwa zwei Drittel der Gruppe, die besonders gut zu Fuß waren, setzten ihre Wanderung fort, nachdem der Schneeglöckchenteppich endete. Ihr Ziel war das Mausoleum der Familie von Wedekind mit dem Bronzenen Hirsch. Dort entstand das traditionelle Gruppenfoto vor dem berühmten, überdimensionalen Hirsch, der einst von Schrottdieben zerstört, später wiedergefunden und restauriert wurde. Der Hirsch blickt majestätisch auf den Labenzer See – ein beeindruckender Fotohintergrund.
Abschließend trafen sich fast alle Teilnehmer traditionsgemäß an der Eickelberger Kirche. In der wärmenden Frühlingssonne genossen sie bei angeregten Gesprächen ein gemeinsames Mitbring-Picknick. Die Stimmung war ausgelassen und gesellig, passend zum Ende eines gelungenen Nachmittags in der Natur.
Weitere Veranstaltungen der Gemeinschaft
Elke Woitke, die Leiterin der Gemeinschaft, und Klaus Höll, Begründer des WhatsApp-Kanals „Warnow in Mecklenburg“, nutzten die Gelegenheit, um auf kommende Veranstaltungen hinzuweisen:
- 19. März, 19 Uhr: „Einblicke in das Leben der Wildbienen“ mit Katja Burmeister in der Alten Dorfschule Laase
- 21. März, 11-17 Uhr: Erster Frühlingsmarkt im Naturdorf Eickhof mit zahlreichen Hobbyhändlern
- 27. März, 19 Uhr: Offenes Treffen im Jugend- und Freizeittreff (ehemaliger Dorfladen Warnow) für Interessenten des Kanals „Warnow in Mecklenburg“
- 28. März, 10 Uhr: Frühjahrsputz auf dem Eickelberger Friedhof – Helfer sind willkommen
Zusätzlich findet jeden Sonntag um 10 Uhr zum Glockengeläut ein Treffen am Eickelberger Glockenturm statt, zu dem jeder zum Austausch von Neuigkeiten herzlich eingeladen ist.
Die neunte Schneeglöckchenwanderung erwies sich somit nicht nur als bereicherndes Wandervergnügen, sondern auch als äußerst lehrreiche Veranstaltung, die Naturwissen mit Gemeinschaftssinn verband.



