UN-Konferenz in Brasilien: Wandernde Tierarten zunehmend bedroht
In Brasilien hat eine bedeutende UN-Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten begonnen, die sich mit der sich verschärfenden globalen Biodiversitätskrise befasst. Die 15. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (CMS), kurz COP15, findet erstmals in Südamerika statt und versammelt Regierungsvertreter, Wissenschaftler, Naturschützer sowie Repräsentanten indigener Gemeinschaften.
Dringlichkeit des Artenschutzes betont
Brasiliens Umweltministerin Marina Silva unterstrich zur Eröffnung der Konferenz in Campo Grande die existenzielle Dringlichkeit: „Wir leben in einer Zeit der Dringlichkeit“, erklärte sie. Der Schutz der Migrationsrouten bedeute, die Hoffnung zu bewahren, „dass der Planet lebendig und vielfältig bleibt“. Die Konferenz steht unter dem Motto „Connecting Nature to Sustain Life“ (Die Natur verbinden, um das Leben zu erhalten) und gilt als eines der wichtigsten internationalen Treffen zum Schutz wildlebender Tiere.
Alarmierende Bestandsrückgänge dokumentiert
Ein im Vorfeld veröffentlichter UN-Bericht offenbart besorgniserregende Entwicklungen:
- Die Bestände von 49 Prozent der durch das Abkommen geschützten wandernden Arten gehen zurück – ein Anstieg um fünf Prozentpunkte binnen nur zwei Jahren.
- Rund 24 Prozent dieser Arten sind akut vom Aussterben bedroht.
- Besonders kritisch ist die Situation in marinen Ökosystemen, wo zahlreiche Fischpopulationen stark gefährdet sind.
Milliarden Tiere – von Zugvögeln über Meeresschildkröten bis hin zu Walen – vollziehen jährlich teils transkontinentale Wanderungen, die durch menschliche Aktivitäten zunehmend gefährdet werden.
Geplante Schutzmaßnahmen und Konferenzschwerpunkte
Im Mittelpunkt der Beratungen stehen konkrete Gegenmaßnahmen:
- Die Aufnahme weiterer Tierarten unter internationalen Schutz
- Verstärkte Maßnahmen gegen illegale Jagd und Übernutzung
- Effektiverer Schutz vor Lebensraumverlust und -fragmentierung
Die Konferenz wird im Bundesstaat Mato Grosso do Sul ausgerichtet – in unmittelbarer Nähe zum Pantanal, dem größten Feuchtgebiet der Erde und einer der artenreichsten Regionen weltweit. Dieser symbolträchtige Ort unterstreicht die Bedeutung des Lebensraumschutzes für wandernde Arten.
Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel
Grundlage der Beratungen bildet ein UN-Abkommen, dem mehr als 130 Staaten angehören. Die größten Gefahren für wandernde Tierarten identifizieren Experten in:
- Übernutzung durch menschliche Aktivitäten
- Verlust und Zerschneidung natürlicher Lebensräume
- Klimawandel-bedingte Veränderungen von Ökosystemen
Die Konferenzteilnehmer betonen, dass nur durch verstärkte internationale Koordination und verbindliche Schutzregelungen der dramatische Rückgang wandernder Tierarten aufgehalten werden kann. Die Ergebnisse der COP15 werden als wegweisend für die globale Biodiversitätspolitik der kommenden Jahre erwartet.



