Mysteriöser Angriff in Usadel: 22 Schafe in Stall getötet - Wolf oder Hund?
22 Schafe in Stall getötet: Wolf oder Hund verantwortlich?

Mysteriöser Angriff in geschlossenem Stall: 22 Schafe in Usadel getötet

Für den Schäfer Mathias Mackedanz aus Alt Käbelich markiert der Februar 2026 einen traumatischen Tiefpunkt. In einer ehemaligen LPG-Halle bei Usadel an der Bundesstraße 96 fand er 21 tote Mutterschafe vor, allesamt trächtig. Ein zweiundzwanzigstes Tier erlag wenig später seinen inneren Verletzungen. Das Besondere: Der Angriff erfolgte nicht auf offener Weide, sondern in einem umzäunten Stall mit versperrten Toren – ein Umstand, der die Frage nach dem Täter besonders brisant macht.

DNA-Analyse bleibt ergebnislos: Weder Wolf noch Hund eindeutig identifizierbar

Sechzehn Tage dauerte die Auswertung der gesicherten DNA-Proben. Das Ergebnis ist für den 37-jährigen Landwirt, der bei der Landschäferei Wodtke und Sohn angestellt ist, ernüchternd: „Ob es ein Wolf oder ein Hund gewesen war, kann nicht festgestellt werden“, muss er konstatieren. Auch die Analyse von Biss- und Pfotenspuren brachte keine Klarheit. „Das war ein großes Raubtier, soviel steht fest“, so Mackedanz, der nun auf Kulanz der Behörden hofft, da ohne eindeutige Täteridentifikation Entschädigungsansprüche ungewiss bleiben.

Der materielle Schaden wird auf rund 18.000 Euro geschätzt. Dieser Betrag umfasst nicht nur den Verlust der Mutterschafe, sondern auch ihrer ungeborenen Lämmer sowie einer weiteren verlorengegangenen Generation. „Zwei bis drei Jahre werde es dauern, bis der Ausfall kompensiert ist“, erklärt der Schäfer. Doch weit schwerer wiegt die emotionale Belastung: Die Trauer über den unbarmherzigen Tod seiner Tiere und das Trauma der überlebenden Schafe sind durch Geld kaum zu ersetzen.

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Blutige Spuren im Schnee: Angriff am helllichten Tag

Der Vorfall ereignete sich an einem Samstag gegen 14.30 Uhr. Eine Anwohnerin wurde durch gruselige Geräusche aus dem Stall aufmerksam – es klang, „als wenn ein großer Hund drinnen ist, knurrt und brüllt“. Aus Angst wagte sie nicht, nachzuschauen, und alarmierte stattdessen den Schäfer. Als Mackedanz am Unglücksort eintraf, bot sich ihm ein Bild des Grauens: 19 tote Schafe, zwei vermisste Lämmer, Blutflecken im Schnee und große Pfotenabdrücke mit langen Krallen.

„Ich denke, das war entweder ein junger, unerfahrener Wolf oder ein sehr großer Hund“, spekuliert der Landwirt. Auffällig sei gewesen, dass bei den meisten Opfern der typische Kehlbiss fehlte. Stattdessen fanden sich Verletzungen an Keulen, Schultern und Eutern. Einige Tiere wiesen überhaupt keine Bissspuren auf und könnten an Kreislaufversagen oder inneren Quetschungen gestorben sein. „Ein typischer Wolfsriss sieht eigentlich anders aus“, so Mackedanz.

Wiederholte Angriffe und die Frage nach dem Herdenschutz

Für Mathias Mackedanz ist dies bereits der dritte derartige Vorfall. Zu Jahresbeginn 2024 wurden vier seiner Schafe an der Lieps zwischen Neustrelitz und Neubrandenburg gerissen. Im Mai 2025 starben zehn Lämmer und zwei Muttertiere auf einer Weide zwischen Rühlow und Warlin. „Man stumpft tatsächlich langsam ab“, gesteht der Schäfer, „aber vergessen werde ich keinen der Vorfälle“.

Die Region an der Lieps ist bekanntermaßen Wolfsrevier. „Die kommen immer dichter“, berichtet Mackedanz. Regelmäßig sichtet er Wölfe oder deren Spuren. Erst vor drei Wochen lag ein gerissenes Reh auf dem Radweg. Im Herbst 2025 versuchte er, einen Wolf mit seinem Pickup von seiner Herde abzudrängen – vergeblich. „Ich habe versucht, mich mit dem Auto zwischen Wolf und Schafe zu schieben, habe immerzu gehupt. Aber der hat sich gar nicht stören lassen“.

Doch auch Hunde kommen als Täter in Frage. Im Dorf gebe es zwei bis drei Hunde, denen er einen solchen Angriff zutraue, und die Gegend sei bei Hundebesitzern aus Neubrandenburg beliebt.

Forderungen nach Konsequenzen und Zukunft der Weidetierhaltung

Die Frage nach wirksamem Herdenschutz stellt sich angesichts dieses Falls drängender denn je. Wenn selbst Zäune und geschlossene Ställe keinen ausreichenden Schutz bieten, sieht Mackedanz kaum noch Möglichkeiten. Auch Herdenschutzhunde seien keine Garantie, wie der jüngste Fall aus Bredenfelde im Januar zeige, wo Wölfe trotz anwesender Hunde sieben tragende Mutterschafe, vier Lämmer und eine Ziege rissen.

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Der Schäfer fordert daher klare Konsequenzen: „Auffällige Wölfe“, die sich Siedlungen nähern oder wiederholt Nutztiere angreifen, müssten schnell und unbürokratisch „entnommen werden dürfen“. Andernfalls, so seine düstere Prognose, sehe er für die Weidetierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern langfristig keine Zukunft. Die traumatisierten überlebenden Tiere in seinem Stall sind stumme Zeugen dieser bedrohlichen Entwicklung.