Tragödie in Mecklenburg-Vorpommern: 22 trächtige Schafe in Stall getötet
Ein schrecklicher Vorfall erschüttert die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. In Usadel bei Neustrelitz wurden insgesamt 22 trächtige Schafe in einem Stall brutal getötet. Der Angriff ereignete sich am 7. Februar in einer ehemaligen LPG-Halle an der Bundesstraße 96 und hinterlässt den Schäfer Mathias Mackedanz fassungslos vor einem immensen Verlust.
Gruselige Geräusche und ein blutiges Gemetzel
Gegen 14.30 Uhr an einem Samstag hörte eine Anwohnerin beunruhigende Geräusche aus dem Stall. "Das klang, als wenn ein großer Hund drinnen ist, knurrt und brüllt", beschrieb sie später. Aus Angst wagte sie nicht nachzuschauen, sondern alarmierte den Schäfer. Als Mathias Mackedanz am Unglücksort eintraf, bot sich ihm ein grauenvoller Anblick: 19 Schafe waren bereits tot, zwei Lämmer verschwunden, und ein weiteres Tier erlag wenig später seinen inneren Verletzungen.
Im Schnee fanden sich zahlreiche Blutflecken und große Pfotenabdrücke mit langen Krallen. Die Spuren waren so deutlich, dass sie im Vergleich zum Fuß des Schäfers ihre beträchtliche Größe offenbarten. Doch wer war der Täter? Diese Frage beschäftigt den 37-jährigen Landwirt bis heute.
DNA-Analyse bringt keine Klarheit
Sechzehn Tage dauerte die Auswertung der DNA-Proben, doch das Ergebnis enttäuschte alle Hoffnungen auf Aufklärung. "Ob es ein Wolf oder ein Hund gewesen war, kann nicht festgestellt werden", muss Mackedanz feststellen. Die Biss- und Pfotenspuren lieferten ebenfalls keine eindeutigen Hinweise.
Besonders rätselhaft: Bei den meisten Opfern fehlte der typische Kehlbiss, den Wölfe normalerweise anwenden. Stattdessen fanden sich Verletzungen an Keulen, Schultern und Eutern. Einige Tiere wiesen überhaupt keine Bissspuren auf und starben möglicherweise an Kreislaufversagen oder inneren Quetschungen. "Ein typischer Wolfsriss sieht eigentlich anders aus", erklärt der erfahrene Schäfer.
18.000 Euro Schaden und traumatisierte Tiere
Der materielle Verlust ist enorm. Mackedanz schätzt den Schaden auf rund 18.000 Euro, wenn man den Verlust der Mutterschafe, ihrer ungeborenen Lämmer und der verlorenen zukünftigen Generation zusammenrechnet. "Zwei bis drei Jahre wird es dauern, bis der Ausfall kompensiert ist", sagt er resigniert.
Doch weit schlimmer als der finanzielle Schaden ist das Leid der Tiere. Die überlebenden Schafe zeigen deutliche Anzeichen von Trauma und Nervosität. Sie waren mitten im Gemetzel und haben das Grauen unmittelbar miterlebt. Für Mackedanz ist dies bereits der dritte derartige Vorfall innerhalb weniger Jahre, doch an Gewöhnung ist nicht zu denken.
Wolf oder Hund? Die Beweislage bleibt unklar
Die Region an der Lieps zwischen Neustrelitz und Neubrandenburg ist bekannt als Wolfsrevier. "Und die kommen immer dichter", berichtet Mackedanz. Regelmäßig sichtet er Wölfe oder deren Spuren. Erst vor drei Wochen lag ein gerissenes Reh auf dem Radweg, und im Herbst versuchte er vergeblich, einen Wolf von seiner Herde abzudrängen.
Doch auch große Hunde kommen als Täter in Frage. Im Dorf gebe es zwei bis drei Hunde, denen er einen solchen Angriff zutraue, und die Gegend sei bei Hundebesitzern aus Neubrandenburg beliebt. "Ich denke, das war entweder ein junger, unerfahrener Wolf oder ein sehr großer Hund", spekuliert der Schäfer.
Schutzmaßnahmen versagen - Zukunft der Weidetierhaltung ungewiss
Die entscheidende Frage lautet: Wie können Schafe in Zukunft besser geschützt werden? Mackedanz hat keine einfache Antwort. Wenn selbst stabile Zäune und geschlossene Ställe nicht ausreichen, seien die Möglichkeiten begrenzt. Auch Herdenschutzhunde bieten keine Garantie, wie ein Fall aus Bredenfelde im Januar zeigte, wo Wölfe trotz anwesender Schutzhunde sieben trächtige Mutterschafe, vier Lämmer und eine Ziege rissen.
Der Schäfer fordert klare Konsequenzen: "Auffällige Wölfe, die sich Siedlungen nähern oder wiederholt Nutztiere angreifen, müssen schnell und unbürokratisch entnommen werden dürfen". Andernfalls sieht er für die traditionelle Weidetierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern langfristig keine Zukunft. Die Tragödie von Usadel könnte somit zum Symbol für einen grundlegenden Konflikt zwischen Naturschutz und landwirtschaftlicher Existenzsicherung werden.



