Angler schneiden mit Motorsägen Löcher ins Eis, um massives Fischsterben in Ueckermünder Gewässern zu verhindern
Angler retten Fische mit Motorsägen-Eislöchern in Ueckermünde

Angler greifen zur Motorsäge gegen drohendes Massensterben in flachen Gewässern

In den vergangenen Wochen haben die anhaltenden Frostperioden im Nordosten Deutschlands zu besorgniserregenden Zuständen in den Gewässern des Regionalanglerverbands Ueckermünde geführt. Unter der dicken Eisschicht der Torfstiche bei Grambin entdeckten die Angler zahlreiche tote Fische, darunter etwa 20 Hechte mit einer Länge von 70 bis 80 Zentimetern, die entweder im Wasser verendet oder sogar direkt ins Eis eingefroren waren.

Flache Gewässer kippen durch Sauerstoffmangel

Olaf Tott, der Vorsitzende des Regionalanglerverbands, geht davon aus, dass die nur etwa einen Meter tiefen Grambiner Gewässer bereits gekippt sind. „Durch die dicke Eisschicht und die sich bildenden Faulgase erhalten die Fische in diesen flachen Bereichen nicht mehr genug Sauerstoff zum Überleben“, erklärt Tott die dramatische Situation. Viele Tiere seien bereits erstickt, da weder Kohlendioxid noch Schwefelwasserstoff entweichen könnten.

Besonders problematisch ist laut Tott das Zusammenspiel aus dicker Eisdecke und darüberliegender Schneeschicht: „Die Photosynthese im Gewässer kommt vollständig zum Erliegen. Wasserpflanzen produzieren keinen Sauerstoff mehr, und den Fischen wird die lebenswichtige Ressource knapp.“ Studien zufolge könne es bereits nach 35 bis 55 Tagen geschlossener Eisdecke zu einem massiven Fischsterben kommen.

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Rettungsaktion mit Motorsägen und Strohballen

Um die verbliebenen Fische zu retten, starteten die Angler in Grambin und Luckow eine ungewöhnliche Rettungsaktion. Mit elektrischen Motorsägen schnitten sie etwa zwei mal zwei Meter große Löcher in die bis zu 40 Zentimeter dicke Eisschicht. „Es hat richtig geblubbert und gestunken, als die Faulgase aus den Öffnungen entwichen“, beschreibt Tott den Moment, der die Dringlichkeit der Maßnahme unterstrich.

Im Anschluss füllten die Helfer Strohballen in die Eislöcher, damit die Gewässer durch die Halme weiter atmen können. Die Bereiche wurden mit rot-weißen Bändern abgesichert, um Unfälle zu vermeiden. Vorstandsmitglied Heiko Freimuth ergänzt: „Oft fehlen auch die natürlichen Schilfgürtel, durch die Gewässer normalerweise noch etwas atmen könnten. In solchen Fällen sind unsere Eingriffe besonders wichtig.“

Unterschiedliche Situation in verschiedenen Gewässern

Während die flachen Torfstiche bei Grambin und Luckow akut gefährdet sind, sieht die Situation in anderen Gewässern des Verbands besser aus. An den RAV-Gewässern bei Eggesin waren keine Notmaßnahmen notwendig, da diese vier bis fünf Meter tief sind und am Grund noch ausreichend Sauerstoff vorhanden ist. In Rochow und Liepgarten wurden vorsorglich Löcher ins Eis geschnitten, während in Altwigshagen ohnehin eine Öffnung benötigt wurde – hier starten traditionell die Eisbader ihre jährlichen Badeaktionen.

Trotz aller Bemühungen rechnet Tott damit, dass die Angler in Grambin und möglicherweise weiteren Gewässern bald viele tote Fische bergen müssen: „Das gesamte Ausmaß des Fischsterbens wird erst sichtbar, wenn das Eis komplett weggetaut ist.“ Dennoch betont er: „Wenn wir nur zehn Prozent der Fische gerettet haben, dann haben wir etwas gekonnt.“ Die ungewöhnliche Rettungsaktion zeigt, wie engagiert der Regionalanglerverband Ueckermünde für den Erhalt der heimischen Fischbestände kämpft.

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