Gruselige Geräusche aus dem Stall: Großes Raubtier tötet 22 Schafe in Mecklenburg-Vorpommern
Ein tiefer Tiefpunkt für jeden Schäfer: Mathias Mackedanz aus Alt Käbelich stand kürzlich vor 21 toten Mutterschafen, alle trächtig. Ein weiteres Tier starb wenig später an inneren Verletzungen. Die Schafe wurden Opfer eines brutalen Angriffs Anfang Februar in Usadel an der Bundesstraße 96 – und zwar nicht auf offener Weide, sondern in einem geschlossenen Stall.
DNA-Analyse bringt keine Klarheit
Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: War es ein Wolf oder ein Hund, der am 7. Februar in die ehemalige LPG-Halle eindrang und das Gemetzel anrichtete? Nach 16-tägiger Auswertung von DNA-Proben und Biss- sowie Pfotenspuren gibt es kein klares Ergebnis. „Ob es ein Wolf oder ein Hund gewesen war, kann nicht festgestellt werden“, erklärt der 37-jährige Landwirt, der bei der Landschäferei Wodtke und Sohn angestellt ist.
Der materielle Schaden ist immens: Durch den Verlust der Mutterschafe, ihrer ungeborenen Lämmer und einer weiteren Generation rechnet Mackedanz mit etwa 18.000 Euro. Zwei bis drei Jahre werde es dauern, bis der Ausfall kompensiert ist. Doch die Trauer über den unbarmherzigen Tod seiner Tiere und das Trauma der Überlebenden sind kaum in Geld aufzuwiegen.
Blutige Spuren im Schnee und gruselige Geräusche
Der Angriff ereignete sich mitten am Tag, einem Samstag gegen 14.30 Uhr. Eine Anwohnerin hörte beunruhigende Geräusche aus dem Stall: „Das klang, als wenn ein großer Hund drinnen ist, knurrt und brüllt“. Sie traute sich nicht nachzuschauen und rief den Schäfer an. Als Mackedanz eintraf, fand er 19 tote Schafe, zwei verschwundene Lämmer, Blutflecken im Schnee und große Fußspuren mit langen Krallenabdrücken.
Bei den meisten Opfern fehlte der typische Kehlbiss eines Wolfsrisses. Stattdessen waren sie an Keulen, Schultern und Eutern verletzt. Einige zeigten überhaupt keine Bissspuren und starben möglicherweise an Kreislaufversagen oder inneren Quetschungen. „Ein typischer Wolfsriss sieht eigentlich anders aus“, so Mackedanz.
Wölfe kommen immer näher – Schutzmaßnahmen versagen
Die Gegend an der Lieps ist bekanntes Wolfsrevier, und „die kommen immer dichter“, berichtet der Schäfer. Regelmäßig sichtet er Wölfe oder deren Spuren. Im Herbst versuchte er vergeblich, einen Wolf mit seinem Pickup von seiner Herde abzudrängen. „Ich habe versucht, mich mit dem Auto zwischen Wolf und Schafe zu schieben, habe immerzu gehupt. Aber der hat sich gar nicht stören lassen“.
Doch auch große Hunde aus dem Dorf oder von Besitzern aus Neubrandenburg kommen als Täter infrage. Die Schutzmaßnahmen scheinen unzureichend: Wenn Zäune und Ställe nicht ausreichen und selbst Herdenschutzhunde keine Garantie bieten – wie im Januar bei Bredenfelde, wo Wölfe trotz Hunde sieben Schafe rissen –, sieht Mackedanz für die Weidetierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern keine Zukunft.
Forderung nach schneller Entnahme auffälliger Wölfe
Der Schäfer fordert klare Konsequenzen: „Auffällige Wölfe“, die sich Siedlungen nähern oder wiederholt Nutztiere angreifen, sollten schnell und unbürokratisch „entnommen werden dürfen“. Für ihn ist es bereits der dritte Vorfall dieser Art: Anfang 2024 wurden vier seiner Schafe gerissen, im Mai 2023 starben zehn Lämmer und zwei Muttertiere.
Die Bilder sind jedes Mal schrecklich, aber „man stumpft tatsächlich langsam ab“, gesteht Mackedanz. Vergessen wird er dennoch keinen der Vorfälle. Die überlebenden Tiere sind traumatisiert und nervös – sie waren mitten im Gemetzel. Nun bleibt ihm nur die Hoffnung auf Kulanz der Behörden, während die Frage nach dem Täter weiter im Raum steht.



