Hunde-Studie zur Intelligenz in der Kritik: Expertin aus Schwerin hält Ergebnisse für nicht belastbar
Hunde-Studie zur Intelligenz: Expertin hält Ergebnisse für nicht belastbar

Hunde-Studie zur Intelligenz sorgt für kontroverse Debatten

Eine wissenschaftliche Erhebung zur Intelligenz von Hunden hat in Fachkreisen und unter Hundebesitzern für erheblichen Wirbel gesorgt. Die Studie des US-Amerikaners Stanley Coren kommt zu dem Ergebnis, dass einige Hunderassen über eine eher überschaubare Intelligenz verfügen. Diese Einschätzung wird jedoch von Experten kritisch hinterfragt.

Expertin aus Schwerin äußert fundamentale Zweifel

Anne Schilling-Herrmann, Inhaberin der Hundeschule „Mien Hund un ik“ in Schwerin, hält die Studienergebnisse für nicht belastbar. „Ich finde, dass es keiner Rasse gerecht wird, sie – wenn auch auf Basis einer wissenschaftlichen Studie – als dumm oder ‚dümmer als‘ zu bezeichnen“, erklärt die erfahrene Hundetrainerin. Ihrer Ansicht nach sind alle Hunde hochkomplexe Lebewesen mit individuellen Eigenschaften, die in dieser Hinsicht den Menschen ähneln.

Die Intelligenz von Hunden gehe weit über die reine Konditionierung und das Erlernen von Kommandos hinaus. „Es kann sein, dass das Studiendesign geeignet ist, um die Bereitschaft bestimmter Hunderassen zur Kooperation mit Menschen und ihren Arbeitswillen zu überprüfen. Um tatsächliche Intelligenz zu überprüfen, halte ich die Studie jedoch nicht für belastbar“, so Schilling-Herrmann weiter.

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Individuelle Stärken jenseits von Gehorsamstests

Die Expertin kann der Einschätzung des Wissenschaftlers bezüglich der Intelligenz verschiedener Rassen nicht folgen. „Ich habe beispielsweise schon sehr kluge Beagles oder Mastiffs kennengelernt“, berichtet sie aus ihrer langjährigen Praxis. Das bedeute nicht unbedingt, dass diese Hunde jedes Kommando nach wenigen Wiederholungen perfekt beherrschen wollten. Stattdessen verfügten sie über andere Stärken wie besonders ausgeprägte soziale Fähigkeiten.

Schilling-Herrmann betont, dass das bloße Erlernen von Kommandos bei weitem nicht alles sei, was die Intelligenz eines Hundes ausmache. Vielmehr müsse man die gesamte Bandbreite kognitiver und emotionaler Fähigkeiten berücksichtigen, die von Rasse zu Rasse und sogar von Tier zu Tier innerhalb derselben Rasse erheblich variieren könnten.

Rassewahl sollte Bedürfnisse des Tieres berücksichtigen

Menschen, die überlegen, welcher Hund zu ihnen passt, sollten sich laut der Expertin vor allem fragen, welche Bedürfnisse und angezüchteten Eigenschaften eine bestimmte Rasse mitbringe. „Es ist ja nicht fair, nur aus der menschlichen Perspektive heraus zu überlegen, was ich mir wünsche“, so Schilling-Herrmann. Oft höre sie Wünsche wie entspannte Spaziergänge und Zuneigung, doch für viele Hunde seien „entspannte Spaziergänge“ alles andere als entspannt – langweilig treffe es eher.

Viele Hunderassen vom Urtyp seien früher für eigenständiges Arbeiten selektiert worden, sei es im Jagdbereich oder zum Wachen. Wer sich für eine solche Rasse entscheide, müsse sich dieser genetischen Prägung bewusst sein. „Es kann sein, dass der Hund sehr intelligent ist, dennoch zeigt er aber vielleicht wenig Interesse an direkter Arbeit mit seinem Menschen“, erklärt die Hundetrainerin.

Probleme im Zusammenleben vorbeugen

Wenn die natürlichen Bedürfnisse einer Rasse nicht berücksichtigt werden, drohen laut Schilling-Herrmann früher oder später Probleme im Zusammenleben. Das Verhalten sei genetisch fixiert und lasse sich nicht einfach „löschen“. Es helfe auch nicht, dem Hund dafür „böse zu sein“. Stattdessen müsse man dem Jagd- oder Wachbedürfnis im geeigneten Umfang Rechnung tragen oder attraktive Alternativen für den Hund schaffen.

„Vor absolut jeder Anschaffung sollte sich der Mensch fragen, was diese Rasse, dieser Hund mitbringe und ob man bereit und in der Lage sei, sich mit seinen Bedürfnissen zu befassen“, rät die Expertin. Oft entstünden Probleme dann, wenn Menschen ihre Wünsche an das Leben mit dem Hund nicht erfüllt sähen, ohne zu berücksichtigen, was der Hund eigentlich bräuchte, um glücklich zu sein.

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Professionelle Beratung vor der Anschaffung

Schilling-Herrmann empfiehlt, sich idealerweise schon vor der Anschaffung eines Hundes professionell beraten zu lassen. „Der richtige Mix aus geeigneter kognitiver und körperlicher Auslastung des Hundes ist zwingend, damit das Zusammenleben harmonisch ist“, erläutert sie. Die Ansprüche von Hunden könnten dabei innerhalb einer Rasse und selbst innerhalb eines Wurfes total schwanken.

Viele Hundeschulen böten solche Beratungen an, doch leider kämen die meisten Menschen erst dann, wenn bereits erste Probleme aufgetreten seien. „Wir können dann auch noch vieles gut bearbeiten. Die Rasse lässt sich aber natürlich nicht mehr verändern, höchstens die Menschen und ihre Ansprüche“, so die Expertin abschließend. Sie wünscht sich ein größeres Bewusstsein für die Bedürfnisse von Hunden und eine intensivere Nutzung professioneller Beratungsangebote vor der Entscheidung für einen vierbeinigen Begleiter.