Erfurt – Eigentlich sollte Luchsin Vreni nur eines tun: nach ihrer Auswilderung helfen, den Luchs im Thüringer Wald wieder heimisch zu machen. Jetzt steht fest: Das hat sie getan – und sogar mehr erreicht als geplant. Die 2024 ausgewilderte Luchsin ist wieder aufgetaucht – und sie hat Nachwuchs. Eine Wildtierkamera identifizierte Vreni eindeutig an ihrer individuellen Fellzeichnung. Auf der Aufnahme folgt ihr ein Jungtier in kurzem Abstand.
Erster dokumentierter Erfolg seit 20 Jahren
Nach dem Ausfall ihres GPS-Senders kurz nach der Freilassung im August 2024 hatte über eineinhalb Jahre lang jede Spur gefehlt. Weder BUND noch WWF wussten, ob Vreni noch lebt. Umso größer ist nun die Erleichterung.
Vreni stammt aus dem Wildnispark Langenberg bei Zürich und wurde 2023 in menschlicher Obhut geboren. Im April 2024 kam sie ins BUND-Wildkatzendorf Hütscheroda, wo sie auf ihr Leben in der freien Wildbahn vorbereitet wurde. Im August 2024 wurde sie im Thüringer Wald freigelassen – als Teil des Projekts „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“.
Dass sie sich bereits im ersten Jahr nach ihrer Auswilderung erfolgreich fortgepflanzt hat, gilt als Meilenstein: Seit rund zwei Jahrzehnten ist sie die erste in menschlicher Obhut geborene Luchsin in Deutschland, die im Freiland Nachwuchs bekommen hat.
Die Kamera fing auch ihr Jungtier ein. Die Ähnlichkeit zur Mama ist nicht zu übersehen. Das Jungtier dürfte im Frühjahr 2025 geboren worden sein. Luchse bringen in der Regel im Mai oder Juni zwei bis vier Junge zur Welt. Ob ein zweites, im Oktober 2025 fotografiertes Jungtier noch lebt, ist unklar – die Jungensterblichkeit ist bei Luchsen hoch.
Wichtiger Schritt für den Artenschutz
Das Gemeinschaftsprojekt von BUND, WWF, ThüringenForst und weiteren Partnern verfolgt ein klares Ziel: eine stabile, eigenständige Luchspopulation in Mitteleuropa aufzubauen und bestehende Bestände zu vernetzen.
Dr. Markus Port vom BUND Thüringen sprach von einer „Sternstunde unseres Projekts“. Nach der langen Ungewissheit klingt das alles andere als pathetisch.
Vreni hat ihren Platz im Wald gefunden – und offenbar auch einen Partner. Der Thüringer Wald bekommt damit nicht nur eine Rückkehrerin, sondern eine kleine neue Generation mit Pinselohren. Und das ist für den Artenschutz vielleicht die beste Nachricht überhaupt.



