Freiwillige Helfer erreichen Rekordzahl beim Amphibienschutz in Sachsen
Jedes Jahr im Frühling erwachen Molche, Kröten und Frösche aus ihrer Winterstarre und begeben sich auf eine gefährliche Reise zu ihren Laichgewässern. Um diese Wanderung vor dem tödlichen Verkehr zu bewahren, setzen sich in Sachsen zahlreiche Freiwillige ein – in diesem Jahr so viele wie nie zuvor. Besonders in Chemnitz und Leipzig zeigen Ehrenamtliche großes Engagement, um die bedrohten Amphibien zu retten.
Die gefährliche Wanderung der Amphibien
Wenn die Temperaturen steigen, verlassen Amphibien ihre Winterquartiere in Baumwurzeln, Erdlöchern oder unter Laubhaufen. Sie legen Strecken von mehreren hundert Metern bis zu Kilometern zurück, um in Tümpeln und Teichen zu paaren. Doch ihr Weg wird oft von Straßen durchschnitten, was sie zu leichten Opfern für Fahrzeuge macht. Spezielle Krötentunnel sind selten, daher setzen Kommunen und Naturschützer auf provisorische Amphibienzäune mit Fangeimern.
Ehrenamtliche im Einsatz: Von der Studentin bis zum Rentner
In Chemnitz-Rabenstein kontrolliert die 25-jährige Studentin Anne Selle mit Taschenlampe und Handschuhen die Eimer am Amphibienzaun. „Ich finde die Tiere total niedlich. Ich bin ein Frosch-Fan“, erzählt sie. Ihre Aufgabe: Nördliche Kammmolche, Teichmolche und Erdkröten behutsam entnehmen, dokumentieren und sicher zum Riedteich bringen. Ohne solche Helfer wäre der Schutz nicht möglich, betont Jens Börner, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Chemnitz. Mit 90 Freiwilligen in diesem Jahr verzeichnet die Stadt einen Rekord, nachdem früher Zivildienstleistende die Arbeit übernahmen.
Organisation und Herausforderungen des Amphibienschutzes
Der Naturschutzbund Nabu in Sachsen unterstreicht, dass der Schutz vor allem auf ehrenamtlichem Engagement basiert. Robert Beske, Nabu-Sprecher, erklärt: „Ganze Familien, Schulklassen, Berufstätige und Rentner packen gemeinsam an. Es macht sichtlich Spaß, zusammen etwas praktisch Sinnvolles für Tiere zu tun.“ In Leipzig helfen Freiwillige an 15 Standorten, organisiert über Messenger-Dienste. Doch die Amphibien leiden unter zunehmender Trockenheit, Lebensraumverlust und Straßen, die ihre Wanderwege unterbrechen. Auto- und Motorradfahrer werden aufgefordert, an markierten Abschnitten unter 30 km/h zu fahren.
Bedeutung der Amphibien für das Ökosystem
Amphibien spielen eine cruciale Rolle im Ökosystem: Sie regulieren Insektenbestände und dienen als Nahrung für andere Tiere. Doch laut Nabu-Daten gibt es besorgniserregende Rückgänge, selbst bei einst häufigen Arten wie der Erdkröte. Die ehrenamtliche Arbeit hilft nicht nur, diese Verluste zu mildern, sondern fördert auch das Bewusstsein für den Artenschutz. Durch die täglichen Kontrollen und den sicheren Transport der Tiere können neue Generationen heranwachsen, die im nächsten Frühjahr erneut wandern.



