Dramatische Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal vor Poel: Wal reagiert heftig auf Taucher
Vor der Insel Poel in der Ostsee hat am Donnerstagmorgen eine bislang beispiellose Rettungsaktion für einen gestrandeten Buckelwal begonnen. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht, den seit Wochen in der Ostsee festsitzenden, stark geschwächten Wal zu bergen und in die offene See zu schleppen. Die Aktion wird von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, nachdem der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, sie geduldet hat.
Wal zeigt heftige Reaktion auf Taucher
Gegen 9:59 Uhr reagierte der Wal auf die sich ihm nähernden Taucher mit einer heftigen Bewegung. Das Tier schlug mit der Schwanzflosse, der Fluke, und drehte sich um beinahe 90 Grad. Die Helfer zogen sich daraufhin zurück, und nach wenigen Minuten beruhigte sich der Wal wieder. Diese Reaktion unterstreicht die angespannte Situation und die Belastung des Tieres, das seit Ende März in der Region strandet und an Kraft verliert.
Rettungsplan und Vorbereitungen
Der Rettungsplan sieht vor, zunächst den Schlick unter dem Wal wegzuspülen, um ihn dann mit einem Luftkissen anzuheben. Ist das gelungen, sollen Schlepper das Tier auf einer Plane zwischen zwei Schwimmkörpern in die Nordsee transportieren. Am Donnerstag wurden schwere Pontons und Geräte in Kirchdorf angeliefert, um die Aktion vorzubereiten. Die eigentliche Rettung wird frühestens am Freitag stattfinden, wie die Initiatoren bestätigten.
Politische und wissenschaftliche Reaktionen
Umweltminister Till Backhaus verteidigte den Rettungsversuch und betonte, dass erstmals ein geeignetes, minimalinvasives Konzept vorliege. "Auch die Wissenschaft kann sich mal irren", sagte er mit Blick auf kritische Stimmen. Die Fraktionen im Landtag äußerten sich gemischt: Die AfD kritisierte den Sinneswandel des Ministers, während die Grünen auf fachliche Expertise pochten. Greenpeace lehnte die Aktion ab, da der Wal krank und geschwächt sei und die Erfolgsaussichten gering.
Meeresbiologe sieht Glücksfall für Landesregierung
Der Meeresbiologe Boris Culik bewertete die Rettungsaktion positiv, warnte aber vor dem Hauptproblem: Netzreste im Maul des Wals. "Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen?", fragte er. Culik sieht in der privaten Initiative einen Glücksfall für die Landesregierung, die sich so der Verantwortung und Kosten entledige.
Auswirkungen auf die Inselbewohner
Die Rettungsaktion hat das Leben auf Poel drastisch verändert. Viele Schaulustige reisen an, was negative Auswirkungen hat, etwa für einen Fischbrötchenstandbesitzer. Die Polizei sichert die Sperrzone um den Wal, und Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Trotz der Aufregung hoffen die Bewohner auf eine erfolgreiche Rettung.
Zustand des Wals und weitere Entwicklungen
Der Wal atmet regelmäßig alle zwei bis fünf Minuten, ist aber laut Backhaus ein "schwer kranker Patient". Am Freitag soll die Rettung fortgesetzt werden, während am Donnerstag weitere Vorbereitungen wie das Platzieren von Pontons und Pumpen stattfanden. Die Diskussion über Rettung oder Sterbebegleitung bewegt ganz Deutschland und zeigt die emotionale Anteilnahme an dem Schicksal des Meeressäugers.



