Letzte Rettung für Ostsee-Wal: Private Initiative startet riskante Bergungsaktion vor Poel
Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal vor Poel beginnt

Dramatische Rettungsmission für gestrandeten Buckelwal vor Poel

Vor der Insel Poel in der Ostsee hat am Donnerstagmorgen eine beispiellose Rettungsaktion für einen gestrandeten Buckelwal begonnen. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht, das etwa zwölf Meter lange Tier zu bergen, das seit Ende März auf Sandbänken festsitzt und stark geschwächt ist. Die Aktion wird von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert und vom Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern geduldet.

Komplexer Rettungsplan mit Schwimmpontons

Der ausgeklügelte Rettungsplan sieht mehrere aufeinanderfolgende Schritte vor. Zunächst soll der Schlick unter dem Wal weggespült werden, um das Tier dann mit speziellen Luftkissen anzuheben. Im Anschluss daran sollen Schlepper den Wal auf einer Plane transportieren, die zwischen zwei riesigen Schwimmkörpern gespannt wird. Diese Schwimmpontons erreichten am Donnerstagmittag Kirchdorf auf Poel und wurden von Schwerlasttransporten angeliefert.

„Die Pontons werden aneinander geschraubt, je zwei links und rechts des Wals“, erklärt ein Mitglied des Rettungsteams. „Dazwischen wird eine Plane gespannt, auf die das Tier dann geladen werden soll.“ Kräne helfen dabei, die Pontons zu Wasser zu lassen, während Spezialfirmenmitarbeiter sich mit der Rettungscrew am Wal abstimmen.

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Meeresbiologe bewertet Chancen kritisch

Der erfahrene Meeresbiologe Boris Culik, ehemaliger Mitarbeiter des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel, bewertet den Rettungsversuch durchaus positiv, äußert jedoch ernste Bedenken. „Man kann ihn damit auf jeden Fall aufschwimmen“, sagt Culik, „aber das Hauptproblem des Netzrestes in seinem Maul bleibt bestehen.“

Culik betont die dringende Notwendigkeit, den Wal von den Netzresten zu befreien, da diese seine Nahrungsaufnahme blockieren. „Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen? Dann ist es letztlich der Abtransport eines sterbenden Tieres in andere Gewässer.“ Der Experte sieht in der privaten Initiative allerdings einen Glücksfall für die Landesregierung, die sich so der kostspieligen Entsorgung und persönlichen Verantwortung entledige.

Umweltminister verteidigt den Versuch

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) verteidigte auf der Insel Poel die Entscheidung, den Rettungsversuch zuzulassen. „Entscheidend ist, dass nun erstmals ein geeignetes ernstzunehmendes Konzept vorliegt, das minimalinvasiv vorgeht“, erklärte der Minister. „Es darf dem Tier nicht geschadet werden.“

Backhaus verwies auf die anhaltenden Lebenszeichen des Wals, der regelmäßig atme, seine Flossen bewege und durch Rufe kommuniziere. „Bei allem Wohlwollen finde ich, dass auch die Wissenschaft sich mal irren kann“, sagte er mit Blick auf kritische Stimmen. Die Verantwortung für den Gesamtprozess liege nun bei den privaten Organisatoren.

Greenpeace bleibt skeptisch

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an der Rettungsaktion. Eine Sprecherin begründete dies mit wissenschaftlichen Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, die die Erfolgsaussichten als sehr gering und das Verletzungsrisiko als hoch einschätzen. „Nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt“, so die Organisation.

Emotionale Anteilnahme und Sicherheitsmaßnahmen

Die dramatische Situation des Ostsee-Wals hat bundesweit für emotionale Anteilnahme gesorgt. Schaulustige reisten aus ganz Deutschland an, einige durchbrachen sogar Polizeiabsperrungen. Verstöße gegen die 500-Meter-Sperrzone um den Wal werden als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern bis zu 5.000 Euro geahndet.

Susanne Sommer, eine 37-jährige Tierfreundin aus Krefeld, reiste extra an: „Ich konnte nicht mehr zu Hause sitzen bleiben vor dem Handy und hoffen, dass hier irgendwas passiert.“ Die letzten Tage seien verzweifelt gewesen, doch nun hoffe sie auf eine erfolgreiche Rettung.

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Die Polizei sichert mit dem Boot „Uecker“ den Bereich um den Wal ab, während sich im Hafen von Kirchdorf das Basislager der Operation befindet. Taucher bereiten sich auf ihren Einsatz vor, um die Luftkissen unter dem Wal zu platzieren. Alle Beteiligten wissen, dass es sich um einen riskanten Versuch handelt, der das Leiden des Tieres entweder beenden oder verlängern könnte.