Rettungsversuch für gestrandeten Buckelwal vor Poel geht in dritte Phase
Die private Rettungsinitiative für den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal hat am dritten Tag ihrer Bemühungen den Betrieb deutlich intensiviert. Auf und vor der Insel herrscht reger Verkehr zwischen dem Hafen in Kirchdorf und einer eigens errichteten Arbeitsplattform auf dem Wasser. Arbeiter pendeln mit Booten hin und her und bringen spezielles Taucherequipment in das Einsatzgebiet.
Behörden und Rettungskräfte im Einsatz
Bereits am frühen Samstagmorgen waren Behördenmitarbeiter mit Ferngläsern ausgestattet auf einem Polizeiboot in die Nähe des Wals gefahren, um die Rettungsaktion aus sicherer Distanz zu beobachten. Ein Sprecher der Wasserschutzpolizei bestätigte, dass das Boot in einiger Entfernung ankerte, aber bei Bedarf mit einem mitgeführten Schlauchboot näher an das Tier heranfahren könnte.
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verstärkte ihr Engagement deutlich. Nachdem bereits am Freitagabend ein größeres Aufgebot in Kirchdorf eingetroffen war, begann die Organisation am Samstagvormittag damit, mehrere Schlauchboote zu Wasser zu lassen. Ein DLRG-Mitglied erklärte, man stehe bereit, um bei Bedarf Unterstützung zu leisten, gab jedoch keine weiteren Details zu den konkreten Hilfsmaßnahmen preis.
Zustand des Wals und Rettungsplan
Der Buckelwal lag am Vormittag eher ruhig in der Bucht. In regelmäßigen Abständen war seine Atmung anhand charakteristischer Wasserfontänen zu beobachten. Dies stellte einen deutlichen Kontrast zum Vortag dar, als das Tier zeitweise heftig mit Schwanz- und Brustflossen schlug und sich leicht hin und her drehte.
Die private Rettungsinitiative hält sich unterdessen mit Details zu ihren konkreten Plänen bedeckt. Janine Bahr-van Gemmert, beteiligte Tierärztin für Kleintiere und Leiterin eines Robbenzentrums auf Föhr, verwies mehrfach auf ein geplantes Pressestatement, ohne jedoch Zeitpunkt oder Modalitäten dieser Bekanntgabe zu nennen.
Nach früheren Angaben der Initiative sieht der Rettungsplan mehrere Schritte vor: Zunächst soll Schlick im Bereich des Wals weggespült werden, um das Tier dann mit speziellen Luftkissen anzuheben. Anschließend soll eine zwischen Pontons – also schwimmenden Plattformen – befestigte Plane unter den Wal geführt werden, mit deren Hilfe er schließlich angehoben und transportiert werden soll.
Fachleute äußern massive Zweifel
Wissenschaftler, Behördenfachleute und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen sind nach umfassender Prüfung des Falls zu einem einhelligen Urteil gekommen: Der Buckelwal benötige vor allem Ruhe, und weitere Eingriffe würden dem bereits geschwächten Tier massive Schäden zufügen. Die Experten sind überzeugt, dass der Wal orientierungslos und in einem solch geschwächten Zustand ist, dass er eine Heimreise ins offene Meer nicht überstehen würde.
Schaulustige verfolgen das Geschehen
Im Hafen von Kirchdorf hielten sich am Samstagmorgen zunächst nur wenige Schaulustige auf. Einer der frühen Besucher war Ali T. aus Hannover. Der 38-Jährige erklärte: „Ich habe das im Fernsehen gesehen, und ich finde das irgendwie spektakulär.“ Er war bereits in der Nacht zu Freitag angereist und hatte eine mehrstündige Autofahrt mit seinem E-Auto auf sich genommen. „Mit Ladestopps und so weiter so fünf Stunden“, berichtete er.
Ali, der nach eigener Aussage bislang noch nie einen Wal in freier Wildbahn gesehen hat, plant bis Sonntag vor Ort zu bleiben. „Montag muss ich wieder zur Arbeit“, sagte er. „Was mich fasziniert, ist, dass der Wal eigentlich schon totgeglaubt wurde und dass jetzt noch was passiert.“ Er hoffe inständig, dass es dem Rettungsteam gelinge, den Wal sicher ins offene Meer zu transportieren.
Wie bereits an den vergangenen Tagen versammelten sich auch in der Nähe des Ortes Weitendorf-Hof zahlreiche Schaulustige hinter der eingerichteten Absperrung. Von dieser Position aus bietet sich ein deutlich besserer Blick auf den gestrandeten Wal als vom Hafen in Kirchdorf aus.



