Tierschutzverein Demmin fordert erneut Katzenschutzverordnung
Tierschutzverein Demmin fordert Katzenschutzverordnung

Der Tierschutzverein Demmin und Umgebung schlägt erneut Alarm: Die Zahl verwilderter Hauskatzen in der Mecklenburgischen Seenplatte bleibt unverändert hoch. Allein in diesem Jahr hat der Verein bereits 99 Katzen und Kater aus der Hansestadt Demmin, dem Amt Demmin-Land, Stavenhagen und Malchin kastrieren lassen. Das berichtet die Vorsitzende Kerstin Lenz. „Dadurch haben wir rund 300 Kitten verhindert, die sonst unter Büschen oder in Schuppen geboren worden wären und oft unter Hunger, Parasiten und Krankheiten leiden müssten“, erklärt sie.

Verschwundene Katze wieder eingefangen

Ein aktueller Fall zeigt die Schwierigkeiten der Tierschutzarbeit: Eine Katze war kürzlich mitsamt der Lebendfalle in Demmin verschwunden. Die Falle blieb verschollen, doch die Katze kehrte nach zwei Tagen an ihre Futterstelle zurück. Allerdings mied sie fortan alle Fallen. „Wir haben sie schließlich nach fünf Tagen im Hausflur eines Neubaus mit dem Kescher fangen können“, berichtet Lenz erleichtert.

Das Beispiel verdeutlicht, wie aufwendig und zeitintensiv die Eindämmung der Katzenpopulation ist. Straßenkatzen werden bereits mit einem halben Jahr geschlechtsreif. Weibchen sind mehrfach im Jahr paarungsbereit und bringen nach 63 bis 66 Tagen vier bis sechs Jungtiere zur Welt. Obwohl die Überlebenschancen dieser Kätzchen gering sind, wächst die Population stetig, wenn nicht eingegriffen wird. Eine einzige unkastrierte Katze kann in fünf Jahren bis zu 2000 Nachkommen zeugen, rechnen Tierschützer vor.

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Kostenexplosion belastet den Verein

Die Kastrationen sind teuer: Allein für die 99 Tiere musste der Verein fast 10.000 Euro aufbringen. „Das können wir auf Dauer nicht stemmen“, betont Lenz. „Deshalb brauchen wir dringend eine landesweite Kastrationsverordnung. Jeder Katzenhalter, der seiner Katze Freigang gewährt, sollte sie kastrieren, chippen und registrieren lassen.“

Der Verein hat den Behörden aktuelle Daten vorgelegt, die den schlechten Gesundheitszustand vieler Fundtiere belegen. Viele leiden unter Katzenschnupfen, vereiterten Augen oder verklebten Nasen – Erkrankungen, die unbehandelt lebensbedrohlich werden können. Der Landkreis bestätigte, dass das Veterinäramt bereits mit Frau Lenz gesprochen habe. Die Daten würden nun an die Ordnungsämter in Stavenhagen, Malchin, Dargun und das Amt Demmin-Land gesendet, verbunden mit der Bitte, über eine Katzenschutzverordnung nachzudenken.

Landkreis wartet auf Initiative der Kommunen

Bislang habe noch kein Ordnungsamt aus der Region ein solches Anliegen an den Landkreis herangetragen, teilte ein Sprecher mit. „Das kreisliche Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt ist grundsätzlich offen für weitere gebietsbezogene Verordnungen, sofern die Ordnungsämter Bedarf signalisieren. Parallel bemüht sich der Landesverband des Deutschen Tierschutzbundes weiterhin um eine landesweite Regelung.“

Im Katzenhaus Neukalen rechnet Lenz demnächst wieder mit vielen Maikätzchen, die halb verhungert, verletzt oder krank sind. Im vergangenen Jahr kümmerte sich der Verein um 156 Fundkatzen. „Das Leid endet erst, wenn sich diese Tiere nicht mehr unkontrolliert vermehren“, mahnt die Tierschützerin.

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