Rettungsversuch für gestrandeten Buckelwal vor Poel schreitet voran
Die dramatische Rettungsaktion für den vor der Ostseeinsel Poel gestrandeten Buckelwal hat einen neuen Entwicklungsschritt erreicht. Am Samstagmittag ist eine spezielle Schwimmplattform mit einem Bagger an Bord in der Nähe des Wals angekommen und hat etwa 200 Meter vom Tier entfernt Position bezogen. Die private Initiative, die seit drei Tagen versucht, den Wal zurück in die Nordsee zu bringen, setzt damit ihre umstrittene Mission fort.
Wal zeigt kaum noch Lebenszeichen
Im Gegensatz zum Vortag, als der Buckelwal auf die Annäherung eines Tauchers noch mit heftigen Bewegungen reagierte, verharrte das Tier am Samstag weitgehend regungslos. Lediglich in regelmäßigen Abständen stieß er noch Wasserfontänen aus. Helfer haben feuchte Tücher auf den Rücken des Wals gelegt, um seine empfindliche Haut vor Austrocknung zu schützen. Der Wal befindet sich mittlerweile bereits den 19. Tag in derselben Position in der Wismarer Bucht.
Komplizierte Rettungstechnik geplant
Nach den Plänen der Initiatoren soll zunächst Schlick im Bereich des Wals weggespült werden, um das Tier anschließend mit speziellen Luftkissen anzuheben. Unter den Wal soll dann eine zwischen Pontons befestigte Plane geführt werden, mit der der Transport in Richtung Nordsee erfolgen soll. Ob dieser technisch anspruchsvolle Plan tatsächlich umgesetzt werden kann, bleibt jedoch ungewiss.
Wissenschaftler äußern massive Bedenken
Fachleute von Behörden, Wissenschaftler und Mitarbeiter von Tierschutzorganisationen sind sich nach umfassender Prüfung einig, dass der Wal dringend Ruhe benötigt und weitere Eingriffe dem bereits geschwächten Tier erheblichen Schaden zufügen würden. Die Experten betonen, dass das Tier orientierungslos und in einem so schlechten Gesundheitszustand sei, dass es die anstrengende Heimreise in die Nordsee nicht überstehen würde.
Private Initiative gegen fachliche Empfehlungen
Die Rettungsaktion wird von einer privaten Initiative des Mediamarkt-Gründers Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert organisiert. Überraschend hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch grünes Licht für die Maßnahme gegeben. Backhaus betonte jedoch, dass die Verantwortung für die Aktion vollständig bei den Initiatoren liege – sowohl operativ als auch finanziell. Die Unternehmerin Walter-Mommert hat signalisiert, die voraussichtlich millionenschweren Kosten der Rettungsaktion übernehmen zu wollen.
Trotz des Einsatzes der Spezialplattform und des technischen Equipments bleiben die Überlebenschancen für den Buckelwal nach Einschätzung von Experten äußerst gering. Die Situation entwickelt sich zu einem emotionalen und fachlich kontrovers diskutierten Fall, bei dem menschlicher Hilfswille auf die nüchterne Einschätzung von Fachleuten trifft.



