Private Wal-Rettungsinitiative setzt Einsatz vor Poel fort
Vor der Ostsee-Insel Poel setzt eine private Rettungsinitiative am zweiten Tag ihren intensiven Einsatz zur Befreiung eines gestrandeten Buckelwals fort. Zahlreiche Helfer sind in der Bucht der Insel im Einsatz, um das tonnenschwere Tier zu befreien, das bereits seit mehr als zwei Wochen an derselben Position in der Kirchsee in der Wismarer Bucht liegt.
Rettungsvorbereitungen laufen auf Hochtouren
Die Vorbereitungen für die komplexe Rettungsaktion haben bereits am Vormittag Fahrt aufgenommen. Helfer in Schutzanzügen waten durch bauchtiefes Wasser, während andere den Körper des Buckelwals kontinuierlich mit nassen Tüchern befeuchten, um ihn vor Austrocknung zu schützen. Eine große Palette mit einer speziellen Plane wurde in den Hafen von Kirchdorf gebracht, auf der der Meeressäuger später transportiert werden soll.
Ein Schwimmbagger hat den Hafen von Kirchdorf verlassen und Position in der Nähe des Wals bezogen. Die eigentliche Befreiungsaktion, bei der der Wal mit Luftkissen angehoben und auf eine Plane zwischen zwei Pontons verlegt werden soll, könnte am Nachmittag beginnen. Der genaue Zeitpunkt bleibt jedoch ungewiss, da sich das Team nach dem Befinden des Tieres richten muss.
Widersprüchliche Einschätzungen zur Überlebenschance
Während Wissenschaftler, Behördenexperten und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen nach umfassender Prüfung zu dem Schluss kamen, dass der Wal Ruhe benötige und weitere Eingriffe massive Schäden verursachen könnten, zeigt sich die private Rettungsinitiative optimistisch. Janine Bahr-van Gemmert, Tierärztin für Kleintiere und Leiterin eines Robbenzentrums auf Föhr, betonte im Hafen von Kirchdorf: „Wir versuchen im Sinne des Tieres, ohne Stress dieses Tier aus dieser misslichen Lage zu befreien.“
Die heftigen Bewegungen des Wals am Morgen, bei denen er mit kräftigen Schlägen seiner Schwanzflosse reagierte und sich um fast 90 Grad drehte, wertete die Tierärztin als positives Zeichen. „Er hat sich heute beim Umdrehen fast so ein bisschen hin- und hergewälzt“, erklärte sie und deutete dies als Hinweis darauf, dass der Wal keine schweren Verletzungen habe und sich bewegen wolle.
Verzögerungen und logistische Herausforderungen
Der private Rettungsversuch verzögert sich jedoch. Walter Gunz, Mitfinanzier der Aktion und Mediamarkt-Gründer, räumte ein: „Wir sind einen Tag hinten dran.“ Am ersten Tag des Rettungsversuchs konnte ein Teil des geplanten Programms nicht durchgeführt werden, sodass der ursprüngliche Zeitplan nicht mehr eingehalten werden kann.
Die komplexe Rettungsprozedur umfasst mehrere Schritte:
- Zuerst muss Schlick unter dem Tier weggespült werden
- Anschließend soll der Wal mit Luftkissen angehoben werden
- Eine spezielle Plane muss unter das Tier gebracht werden
- Der Wal soll dann auf der Plane zwischen zwei Pontons transportiert werden
- Ein Schlepper soll die Pontons an einer langen Leine in Richtung Nordsee ziehen
Öffentliches Interesse und behördliche Beteiligung
Die Rettungsaktion zieht zahlreiche Schaulustige und Medienvertreter an. Rund 30 Neugierige verfolgten zeitweise die Vorbereitungen im Hafen von Kirchdorf, und mehrere Kamerateams dokumentieren das Geschehen. Auch behördliche Stellen sind involviert: Mitarbeiter des Umweltministeriums und des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) fuhren am Vormittag mit einem Polizeischlauchboot zum Wal hinaus.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte bei der Bekanntgabe der privaten Aktion ursprünglich gehofft, dass das Freispülen des Wals bereits am Donnerstag erfolgen und das Tier am Freitag seine Reise in den Atlantik antreten könne. Diese optimistische Zeitplanung hat sich jedoch als nicht realisierbar erwiesen.
Die private Initiative, finanziert von Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert, bleibt trotz aller Widrigkeiten entschlossen, dem geschwächten Buckelwal eine Überlebenschance zu geben. Die Tierärztin Bahr-van Gemmert betonte: „An dem gegenwärtigen Ort könne der Wal nicht in Ruhe sterben. Die Umgebung sei völlig untypisch für ihn.“



