Wolfsangriffe auf Menschen: Eine seltene Bedrohung
Es klingt wie eine Szene aus einem düsteren Märchen: Ein Wolf attackierte im Juli 2025 in der niederländischen Provinz Utrecht ein sechsjähriges Kind und versuchte, den Jungen in ein Waldstück zu ziehen. Erst durch das Eingreifen von Zeugen, die mit Stöcken auf das Tier einschlugen, ließ der Wolf von seinem Opfer ab. Der Junge erlitt Bissverletzungen und musste im Krankenhaus behandelt werden. Das auffällige Raubtier wurde später zum Abschuss freigegeben.
Weitere Vorfälle im vergangenen Jahr
Dieser Angriff war nicht der einzige seiner Art. Bereits im April 2025 wurde in den Niederlanden, im Gebiet Hoge Veluwe, eine Frau während eines Laufs von einem Wolf angefallen. Das Tier biss sie zweimal in den Oberschenkel, bevor Umstehende es vertreiben konnten. Die Folge war ein Krankenhausaufenthalt, und auch für diesen Wolf wurde eine Abschusserlaubnis erteilt.
Mitte Februar 2025 gab es zudem einen Vorfall in einem Dorf in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan, bei dem drei Personen durch einen Wolfsangriff verletzt wurden. Der letzte tödliche Angriff ereignete sich am 23. Januar 2024 in Russland, wo ein Wolf eine vierköpfige Personengruppe attackierte. Eine Frau starb später im Krankenhaus an ihren Verletzungen.
Situation in Deutschland: Keine Angriffe seit 28 Jahren
In Deutschland kommt es regelmäßig zu Angriffen von Wölfen auf Nutztiere, die oft hitzige öffentliche Diskussionen auslösen. Allerdings betont eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums, dass seit dem Wiedererscheinen der Wölfe in Deutschland vor 28 Jahren keine Angriffe auf Menschen registriert wurden. Das Risiko, durch einen Wolfsangriff verletzt oder getötet zu werden, wird als sehr gering eingeschätzt.
Das Ministerium rät, sich in der Natur über das richtige Verhalten bei Begegnungen mit freilebenden Tieren zu informieren, insbesondere in Wolfsgebieten. Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein zentraler Bestandteil des Wolfsmanagements der Bundesländer, besonders in neu besiedelten Regionen.
Management und Abschuss von Problemwölfen
Auf Grundlage der Managementpläne der Bundesländer und der Empfehlungen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes (DBBW) können Wölfe, die eine mögliche Gefahr für Menschen darstellen, zeitnah abgeschossen werden. Die Bundesländer sind für das Wolfsmanagement zuständig und stellen Informationen zum Verhalten bei Wolfsbegegnungen auf ihren Webseiten bereit.
Globale Perspektive: Wölfe im Vergleich zu anderen Tieren
In der Rangliste der gefährlichsten Tiere der Welt spielen Wölfe nur eine untergeordnete Rolle. An der Spitze stehen mit großem Abstand Mücken, die jährlich über 700.000 Todesfälle verursachen. Es folgen Giftschlangen mit 80.000 bis 140.000 Todesfällen und Hakenwürmer mit etwa 60.000 Opfern.
Weitere gefährliche Tiere sind Hunde (rund 60.000 Todesfälle), Tsetsefliegen (etwa 10.000), Kegelschnecken (ebenfalls 10.000), Skorpione (5.000), Bandwürmer (1.200), Krokodile (1.000) und Giftspinnen (250). Tiere wie Haie, Löwen oder Tiger, die oft als besonders bedrohlich wahrgenommen werden, tauchen in den Top Ten nicht auf.
Insgesamt zeigt sich, dass Wolfsangriffe auf Menschen äußerst selten sind und das Risiko im Vergleich zu anderen tierischen Gefahren minimal ist. Dennoch ist es wichtig, sich in Wolfsgebieten über das richtige Verhalten zu informieren, um Konflikte zu vermeiden.



