Zwei Wochen nach erster Sichtung: Experten bewerten Zustand des verirrten Wals in der Ostsee
Seit der ersten Sichtung eines Wals im Wismarer Hafen am 3. März 2026 sind bereits zwei Wochen vergangen. Das Tier wurde damals aus einem Großteil eines Stellnetzes befreit, doch ein Rest des etwa 50 Meter langen Netzes umschlingt weiterhin seinen Körper. Entlang der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns wurde der Wal inzwischen mehrfach gesichtet, zuletzt am 15. März bei Steinbeck und Boltenhagen. Doch wie geht es dem verirrten Meeressäuger wirklich?
Gesundheitszustand schwer einzuschätzen: Wal zeigt Anzeichen von Unterernährung
Die Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund verfolgen den Weg des Wals seit der ersten Sichtung intensiv. Sie waren selbst in Wismar vor Ort und werteten Bild- und Videomaterial aus weiteren Beobachtungen aus. Dennoch ist der Gesundheitszustand des Tieres schwer zu beurteilen. „Der Gesundheitszustand ist schwer einzuschätzen, da bisher das Tier visuell nicht vollständig beurteilt werden konnte“, teilt das Deutsche Meeresmuseum mit. Die Haut des Wals zeigt eine untypische Struktur, die möglicherweise durch Pilze oder andere Mikroorganismen verursacht sein könnte. Zudem wirkt der Wal sehr schlank, was auf einen schlechten Ernährungszustand hindeutet.
Das genaue Alter des Tieres bleibt unklar, aber Experten gehen von einem jüngeren Exemplar aus. Die Länge wird auf etwa acht bis zwölf Meter geschätzt. Die Crew von Sea Shepherd konnte inzwischen einen weiteren Teil des restlichen Stellnetzes entfernen, doch die Gefahren für den Wal sind noch nicht gebannt.
Walart weiterhin unbestimmt: Finnwal oder Buckelwal?
Nach wie vor gibt es Unklarheiten bezüglich der genauen Walart. Zunächst wurde vermutet, dass es sich um einen Finnwal handelt, doch weiteres Bild- und Videomaterial reicht nicht für eine eindeutige Bestimmung aus. „Bisher konnte die Walart noch nicht genau bestimmt werden, weil Merkmale, die eine eindeutige Bestimmung ermöglichen, bisher nicht oder nur schlecht zu sehen waren“, erklärt das Deutsche Meeresmuseum. Dazu gehören etwa die Brustflossen, die bei einem Buckelwal im Verhältnis zur Körpergröße länger und breiter sind als bei einem Finnwal. Auch Schwanzflosse und Fluke waren bisher nicht gut erkennbar.
Mithilfe gesucht: Sichtungen können gemeldet werden
Sowohl das Deutsche Meeresmuseum als auch die Organisation Sea Shepherd bitten um Unterstützung. Sichtungen des Wals können per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter 0173 9688 267 gemeldet werden. Sea Shepherd ist über deren Instagram-Seite oder per E-Mail an [email protected] erreichbar. Diese Meldungen sind entscheidend, um den Weg des Wals besser nachverfolgen und Schutzmaßnahmen koordinieren zu können.
Chancen auf Rückkehr in den Atlantik als gering eingeschätzt
Die Aussichten, dass der Wal in den Atlantik zurückfindet, werden von Experten als verhalten eingeschätzt. „Wir hoffen sehr, dass er wieder zurückfindet. Anhand der aktuellen Sichtungsmeldungen ist jedoch zu erkennen, dass die Chancen nicht groß sind“, so die Fachleute. In der Ostsee könnte sich der Bartenwal theoretisch von Schwärmen kleiner Fische ernähren, doch die Gefahren sind vielfältig. Die Ostsee ist generell ein zu flaches Gewässer für große Wale, und es besteht die Gefahr von Kollisionen mit Schiffen in diesem stark befahrenen Gebiet. Zusätzlich werden die Tiere durch Lärm, insbesondere in Hafennähe, gestresst, was ihre Überlebenschancen weiter verringert.
Insgesamt bleibt die Situation des verirrten Wals in der Ostsee kritisch. Experten betonen die Notwendigkeit weiterer Beobachtungen und Schutzmaßnahmen, um das Wohl des Tieres zu gewährleisten.



