Landesjagdverband-Chefin verliert beide Hunde an Pseudowut: Warnung vor tödlicher Krankheit
Zwei Hunde sterben an Pseudowut: Warnung vor tödlicher Krankheit

Doppelter Verlust durch tödliche Viruserkrankung

Innerhalb weniger Tage erlebte Anja Blank, Geschäftsführerin des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern, den Albtraum eines jeden Hundebesitzers. Ihre beiden Hunde Finte und Dorn starben qualvoll an der Aujeszky-Krankheit, auch bekannt als Pseudowut. Die Jägerin beschreibt den Verlauf als grausam und rasant und warnt nun eindringlich vor dieser unterschätzten Gefahr.

Grausamer Krankheitsverlauf mit unterschiedlichen Symptomen

Bei Hündin Finte begann die Erkrankung sechs Tage nach einer Jagd mit leichtem Kratzen am Kopf. „Am nächsten Morgen war dann das Auge schon fast weg und die ganze Gesichtshälfte blutig gekratzt“, schildert Blank den dramatischen Zustand. Das Virus greift das zentrale Nervensystem an und löst eine für das Tier unerträgliche Überreizung aus. „Selbst unter Narkose hörte dieses krampfhafte Kratzen nicht auf“, berichtet die Hundebesitzerin. Nicht einmal 24 Stunden nach den ersten Symptomen musste Finte erlöst werden.

Nur einen Tag später erkrankte auch Rüde Dorn, zeigte jedoch völlig andere Symptome:

  • Mehrfaches Erbrechen
  • Starker Durchfall
  • Massives Speicheln
  • Extreme Schmerzen
Nach nur zwölf Stunden musste auch er erlöst werden. Die unterschiedlichen Krankheitsbilder erschweren Tierärzten die Diagnosestellung erheblich.

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Übertragungswege und hohe Dunkelziffer

Die Aujeszky-Krankheit wird durch ein Herpesvirus verursacht, das primär Schweine und Wildschweine befällt. Die Übertragung auf Hunde erfolgt durch:

  1. Direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Schleimhäuten
  2. Aufnahme von kontaminiertem Wasser aus Pfützen oder Suhlen
  3. Kontakt mit Kot oder anderen Körperflüssigkeiten
  4. Verzehr von rohem Wildschweinfleisch
„Es reicht, wenn ein Hund nur an der Nase eines Tieres leckt“, erklärt Blank. Das Virus kann bei günstigen Umweltbedingungen bis zu 30 Tage außerhalb des Wirtes überleben.

Obwohl Deutschland offiziell als „Aujeszky-frei“ gilt, geht Blank von einer enorm hohen Dunkelziffer aus. Nach ihrer öffentlichen Warnung erhielt sie Dutzende Zuschriften aus ganz Deutschland von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen. Derzeit sind in Mecklenburg-Vorpommern fünf Fälle bekannt, wobei vier bestätigt wurden.

Schutzmaßnahmen und Expertenempfehlungen

Verschiedene Tierkliniken und Jagdverbände geben konkrete Empfehlungen zum Schutz vor Ansteckung:

  • Hunde in Gebieten mit Wildschweinvorkommen stets an der Leine führen
  • Kontakt mit Wildtieren oder deren Ausscheidungen vermeiden
  • Hunde nicht aus Pfützen oder Suhlen trinken lassen
  • Kein rohes Wildschweinfleisch oder Innereien verfüttern
  • Nach Waldaufenthalten Kleidung, Ausrüstung und Hundeboxen gründlich reinigen
Henning Wetzel, Präsidiumsmitglied des LJV, bestätigt, dass sich der Landesjagdbeirat bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Ein großflächiges Monitoring der Wildschweinbestände wird diskutiert und soll in der Frühjahrssitzung erneut behandelt werden.

Appell an die breite Öffentlichkeit

Anja Blank betont: „Wir müssen das Bewusstsein für diese Krankheit schärfen. Es ist nicht nur ein Problem der Jägerschaft, sondern betrifft auch die breite Öffentlichkeit.“ Ihre persönliche Tragödie soll andere Hundebesitzer vor ähnlichem Leid bewahren. Bis wissenschaftliche Lösungen verfügbar sind, bleiben Vorsichtsmaßnahmen im Alltag der beste Schutz vor der tückischen Pseudowut.

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