Steinkrebs in Bayern: Klimawandel und invasive Arten bedrohen die Art
Steinkrebs in Bayern: Klimawandel und invasive Arten

Der Steinkrebs in Bayern ist stark gefährdet. Lebensraumverlust, invasive Arten und die Krebspest setzen dem seltenen Krebs massiv zu. Ein Artenhilfsprogramm soll den Trend umkehren.

Bedrohungen für den Steinkrebs

Der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) wird etwa neun Zentimeter lang und ist damit die kleinere der beiden heimischen Flusskrebsarten in Bayern. Er kommt in Deutschland nur in Bayern und Baden-Württemberg vor. Der Verlust von Lebensraum, invasive Arten und die Krebspest machen ihm schwer zu schaffen. „Durch unsere eigene Datenerhebung können wir belegen: Allein in den letzten 20 Jahren haben wir noch mal 50 Prozent der Population verloren“, sagt Flusskrebsmanager Jeremy Hübner vom Landesamt für Umwelt (LfU) in Wielenbach.

Klimawandel und Wasserqualität

Der Steinkrebs fühlt sich in sommerkalten Bachoberläufen wohl, die eine gute Wasserqualität und viele Verstecke wie Steine, Wurzeln oder Totholz bieten. Verbreitet ist er in ganz Bayern, primär aber in Oberbayern, Niederbayern und Schwaben. Die Klimaerwärmung führt dazu, dass die Bäche wärmer werden und weniger Wasser führen. Zudem sind die Krebse sehr sensibel gegenüber Schad- und Nährstoffeinträgen, beispielsweise aus der Landwirtschaft.

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Invasive Arten und Krebspest

Der Hauptgrund für den Rückgang ist die Ausbreitung invasiver Arten wie des Signalkrebses, die die für heimische Arten tödliche Krebspest übertragen. Diese kann binnen einer Woche ganze Bestände auslöschen. Nordamerikanische Flusskrebse wie der Signalkrebs wurden bereits im 19. Jahrhundert nach Europa gebracht und verbreiteten dort die Krebspest, gegen die sie immun sind. Der Signalkrebs ist nicht besonders anspruchsvoll bezüglich des Lebensraums, gleichzeitig aggressiver und vermehrt sich stärker als heimische Arten. Dadurch kann er sich stark ausbreiten und in die speziellen Lebensräume des Steinkrebses eindringen.

Artenhilfsprogramm: Krebssperren und Nachzucht

Um den Steinkrebs zu retten, setzt das LfU sogenannte Krebssperren an bereits bestehenden Bauwerken wie Wehren ein. Acht davon gibt es bereits, im März wurden zwei im Landkreis Günzburg eingebaut. Dabei handelt es sich um glatte Bleche, die die Signalkrebse nicht überwinden können. Bis September kommenden Jahres will das Flusskrebsteam etwa 50 solcher Sperren in Bayern installieren.

Außerdem züchten die Fachleute Steinkrebse in der Teichanlage in Wielenbach nach. Einige junge Krebse wurden bereits in einem Bach in Oberbayern ausgesetzt. Die Zucht sei eine große Herausforderung, sagt Hübner. Über den Steinkrebs wisse man weniger, weil dieser im Gegensatz zum Edelkrebs nie im großen Stil gegessen wurde und wirtschaftlich nicht interessant war. „Wir arbeiten kontinuierlich daran, unseren Ansatz zur Vermehrung der Steinkrebse zu verbessern.“ Im Herbst sollen die nächsten Jungtiere in einem Gewässer angesiedelt werden.

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