Fledermauskästen für Altbauten: Kostenlose Artenschutzmaßnahme in der Uckermark
Hausbesitzer in der Uckermark können ihr Anwesen jetzt kostenlos mit speziellen Fledermauskästen ausstatten lassen. Diese Initiative dient sowohl dem Naturschutz als auch der natürlichen Bekämpfung von Mücken in den Sommerabenden. Die Maßnahme ist Teil des deutsch-polnischen Interreg-Projekts Viva la Fauna, das Brutplätze und Quartiere für gefährdete Vogel- und Fledermausarten schaffen will.
Moderne Gebäude als Problem für Fledermäuse
Svea Weiß, die gemeinsam mit Rainer Schmitt die Alte Post in Greiffenberg bei Angermünde gekauft hat, erklärt das Dilemma: „Bei Renovierungen und Neubauten werden Häuser heutzutage oft regelrecht tierdicht gebaut.“ Aus ihrem beruflichen Alltag kenne sie diese Problematik nur zu gut. Dabei würden Wohnhäuser traditionell auch Lebensraum für Vogelarten und Fledermäuse bieten, was bei modernen Bauweisen häufig vernachlässigt werde.
Weiß betont: „Ein kleiner Durchschlupf hält Tauben draußen, ermöglicht Fledermäusen aber weiterhin den Zugang.“ Mit solch einfachen Maßnahmen ließen sich große Effekte für den Artenschutz erzielen. Weil sie ihr Anwesen flugtierfreundlicher gestalten wollten, wandten sich Weiß und Schmitt an die Naturwacht Brandenburg.
Gemeinsame Installation von Winterquartieren
Gemeinsam mit der Naturwächterin Nadja Erdmann und Hanna Rubenbauer von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Uckermark installierten sie mehrere Fledermauskästen an der Scheune und weiteren geeigneten Stellen. Zudem ließen sie einen feuchten Keller zum Winterquartier aufwerten, denn Fledermäuse suchen frostfreie und feuchte Räume zum Überwintern.
Die Naturwacht nutzte diesen Einsatz, um auf ihr kostenfreies Angebot aufmerksam zu machen. Interessierte erhalten folgende Artenschutzhilfen:
- Fledermauskästen
- Nistkästen für Singvögel, Schwalben und Mauersegler
Die Nistkästen sind sogar mit einem speziellen Marder- und Waschbärenschutz ausgestattet. Nadja Erdmann erklärt: „Wer Vögeln Nisthilfen anbietet, sollte mit dem Einsatz moderner Kästen sicherstellen, dass die Eier und Küken Räubern nicht allzu leicht in die Fänge geraten.“ Alles, was Räuber wie Katzen oder Waschbären abhält, steigere den Bruterfolg erheblich.
Bedrohte Arten und ihre Bedeutung
Laut der Naturwacht gehören Fledermäuse seit mehr als 50 Millionen Jahren zur heimischen Tierwelt. Dennoch sind heute viele Arten bedroht – alle 18 in Brandenburg vorkommenden Fledermausarten stehen auf der Roten Liste. Als Hauptgründe für diese Gefährdung nennt die Naturwacht:
- Verlust von strukturreichen Lebensräumen zum Jagen
- Rückgang von Insekten als Nahrungsgrundlage
- Verlust geeigneter Quartiere durch moderne Bauweisen
Hanna Rubenbauer von der Unteren Naturschutzbehörde betont: „Solche Projekte zeigen, wie wirkungsvoll Zusammenarbeit sein kann.“ Private Initiative, fachliche Begleitung und Förderprogramme würden hier sinnvoll ineinandergreifen.
Faszination und praktischer Nutzen
Naturwächterin Nadja Erdmann hebt die besonderen Eigenschaften der Fledermäuse hervor: „Fledermäuse faszinieren nicht nur durch ihre Ultraschallortung oder ihre erstaunlichen Wanderungen von bis zu 1.000 Kilometern. Als reine Insektenfresser helfen sie lautlos gegen die mückenreichen Sommerabende.“
Wer Arten wie dem Braunen Langohr, dem Mausohr, der Breitflügelfledermaus oder der als typische Dorfbewohnerin bekannten Zwergfledermaus helfen möchte, sollte laut Naturwacht folgende Maßnahmen ergreifen:
- Auf Chemie im Garten verzichten
- Alte Bäume mit Höhlen und Spalten so lang wie möglich stehen lassen
- Gebäude mit Nistmöglichkeiten ausstatten
Die kostenfreien Nistkästen werden im Rahmen des Projekts zur Abholung in Prenzlau bereitgestellt. Für eine persönliche Nistkastenberatung im Landkreis Uckermark steht die Naturwacht unter Telefon 03984 702568 oder per E-Mail zur Verfügung.



