Templin zeigt nachhaltige Holzwirtschaft: Vom Wald direkt ins Sägewerk
Im Wald vor der Stadt gewachsen, von heimischen Holzfällern geschlagen und im regionalen Sägewerk verarbeitet: Templin demonstriert eindrucksvoll, wie nachhaltige Holzwirtschaft in der Praxis funktionieren kann. Das Schulwaldprojekt der Waldhofschule und die Holzindustrie Templin arbeiten Hand in Hand, um eine lokale Wertschöpfungskette zu etablieren.
Schulwaldprojekt als grünes Klassenzimmer
Schulförster Joachim Lange steht zufrieden im Wald. Obwohl keine groben Lücken im Blätterdach zu sehen sind, wurde genug Platz für junge Bäume geschaffen. 200 Festmeter Buchenstammholz haben sie hier an der B109 hinter dem Templiner Ortsteil Fährkrug geschlagen. Die mächtigen Stämme liegen am Wegesrand und sind zur Abholung bereit. Schüler von Herrn Lange messen sie, schlagen Markierungen mit einem Hammer ein oder turnen darauf herum. Der Förster leitet das Schulwaldprojekt an der Waldhofschule der Stephanus-Stiftung, die 2007 730 Hektar aus dem Forst der Stadt Templin gepachtet hat, um ihn als grünes Klassenzimmer zu nutzen und professionell zu bewirtschaften.
Der Wald muss nachhaltig Gewinn abwerfen, betont Lange. Jedes Jahr werden Bäume ausgewählt, die ab Anfang Januar gefällt und verkauft werden können. Dieses Mal standen besonders Buchen im Fokus, die zwar noch einen stattlichen Stamm aufwiesen, aber bereits Schäden zeigten. Die Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 hatte dem Wald in der Uckermark stark zugesetzt, als es über die Sommermonate fast keinen Regen gab. „Das kannten wir vorher nicht“, sagt Lange. Auch dieses Frühjahr war wieder insgesamt zu trocken für den Wald, wie kürzlich der Dürremonitor für das Land Brandenburg zeigte.
An den Schnittkanten der Stämme sind sternförmige Verfärbungen zu sehen, die vom Zentrum zur Rinde reichen. Die Buchen wären langsam eingegangen. „Ein Zeichen, dass wir die richtigen Bäume ausgesucht haben“, erklärt der Förster. Ein glücklicher Zufall war, dass in diesem Winter der Frost bei der Holzernte half. Der festgefrorene Boden verhinderte, dass die schweren Maschinen der Templiner Firma Stabenow & Partner bleibende Spuren hinterließen. Die Eingriffe sollen so gering wie möglich bleiben, betont Lange: „Unser größter Wert ist das, was hier steht.“
Lokale Wertschöpfungskette in Aktion
Max Daher, Einkäufer bei der Holzindustrie Templin, ist mitgekommen, um den Schülern zu zeigen, was aus den Bäumen wird. „Gier wäre hier fehl am Platz“, sagt er. „Der Wald ist kein Acker, den man einfach abräumen kann.“ Alle Beteiligten sind stolz auf die lokale Wertschöpfungskette, die sich hier knüpft: Bewirtschaftung, Fällung und Verarbeitung finden in der unmittelbaren Umgebung statt. Normalerweise muss Daher deutlich weiter fahren, denn die Holzindustrie kauft in einem Umkreis ein, der grob von Polen, Niedersachsen, zur Ostsee und nach Sachsen reicht.
Seine Lieferanten können aus ihren zertifiziert nachhaltig bewirtschafteten Wäldern immer nur ausgewählte Bäume entbehren, damit Rohstoffe nachwachsen und die Sägewerker auch in Zukunft noch etwas zu sägen haben. Besonders nachhaltig sind kurze Wege: Vom Treffpunkt im Schulwald bis zum Werk der Holzindustrie im Templiner Gewerbegebiet sind es keine acht Kilometer.
Verarbeitung im Sägewerk
Im Sägewerk angekommen, bekommen die Schüler erst einmal Ohrenschutz, denn Holzwirtschaft ist ein lautes Geschäft. Holz muss feucht verarbeitet werden, und so haben viele der mächtigen Buchenstämme bereits den Großteil des Ablaufs hinter sich: Die Stämme werden entrindet und in den Hallen mit großen Bandsägen zugeschnitten. Das entstehende Schnittholz wird in großen Paletten gestapelt. Je nach Holzart kommt es für einige Tage in die Dämpfung oder in die Trocknung im Freiluftlager, wo es mitunter über Jahre liegen kann.
Trockenes Holz ist deutlich fester und kann weiterverarbeitet werden. Es wird vermessen und nach Güte sortiert. Viele Arbeitsschritte erfordern neben präziser Laserunterstützung auch fachkundiges Augenmaß, wie in den Gesichtern der Arbeiter zu sehen ist, die an langen Förderstrecken an wuchtigen Maschinen die Produkte verteilen.
Die Holzindustrie Templin verkauft weltweit: „Nahezu alle Kontinente bis auf die Antarktis, die wir nicht beliefern“, sagt Daher mit gewissem Stolz. Holzwirtschaft sei für ihn die schönste Form der Industrie: Absolut nachhaltig, wenn man es richtig macht, und mit Endprodukten wie Möbeln oder Türrahmen, die Jahrzehnte und mehr überdauern können. So bezieht etwa der benachbarte Treppenbauer Bernd Banek sein Holz von nebenan. Was in Templin wächst, kann also wirklich in Templin verarbeitet werden und schließlich in Templiner Häusern stehen.
Zukunft des Waldes
Am Ende der Führung gibt Förster Lange einen Ausblick: Im laufenden Frühjahr werden sie im Schulwald Lichtschächte suchen und Setzlinge einpflanzen. Viele Buchen wachsen von selbst nach – Naturverjüngung heißt das. Doch die Bäume bekommen Nachbarn, die besser mit den veränderten klimatischen Bedingungen klarkommen: Türkische Baumhasel, Eiben, Hickory, Nussbäume oder Tulpenbäume. Vielfalt für den robusten Wald von morgen.



