Wölfe im Museum und bald in Jägerstuben? Einzigartige Sammlung in Brandenburg
Wölfe: Museumssammlung vs. Jagdrecht - Brandenburg im Fokus

Einzigartige Wolfs-Sammlung in Potsdam: 340 Exemplare dokumentieren Rückkehr

Im Naturkundemuseum Potsdam lagert Deutschlands umfangreichste Sammlung von Wolfsexemplaren – Knochen, Schädel und Felle von über 340 Tieren, die meisten davon Verkehrsopfer. Diese einzigartige Dokumentation zeigt die Rückkehr des einst nahezu ausgerotteten Raubtiers nach Deutschland. Brandenburg zählt mit 60 bestätigten Wolfs-Territorien, darunter 54 Rudel und 6 Paare, zu den wolfsreichsten Bundesländern.

Jagdrecht könnte Sammlungspraxis verändern

Die geplante Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdrecht wirft neue Fragen auf. Bislang streng geschützt, sollen Jäger künftig das Recht erhalten, entnommene Wölfe für private Zwecke zu behalten und präparieren zu lassen. „Ich glaube, es werden weniger Exemplare für Museen anfallen, aber es wird nicht aufhören“, sagt Tierpräparator Christian Blumenstein, der seit 40 Jahren im Museum arbeitet. Wissenschaftler befürchten jedoch, dass wertvolle Daten und Forschungsmöglichkeiten wegbrechen könnten.

Vom Kadaver zum Ausstellungsstück: Die Arbeit des Präparators

Christian Blumenstein beschreibt seine Tätigkeit als Mischung aus Fleischer, Chirurg, Friseur und Kosmetiker. Zuletzt bearbeitete er zwei Wölfe, die im Januar gleichzeitig überfahren wurden. Der Prozess ist aufwendig: Nach dem Abziehen des Fells, das zur Gerberei geht, wird es später über einen Plastikkörper gezogen. Passende Glasaugen werden ausgewählt, ein künstliches Gebiss eingesetzt. Selbst farbloser Nagellack kommt zum Einsatz – um Speichel am Wolfsmaul anzudeuten. Ein aktuelles Ausstellungsstück ist die 2015 präparierte Wölfin „Bella“ mit dichtem Fell.

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Wissenschaftliche Bedeutung der Sammlungen

„Wir dokumentieren die gesamte Besiedlung Brandenburgs“, betont stellvertretende Museumsdirektorin Ina Pokorny. Sammlungen von Schädeln, Skeletten und Gewebeproben sind laut Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin unverzichtbar, um Entwicklungen und Anpassungen über längere Zeiträume zu erkennen. Das IZW untersuchte bisher 1.138 tot aufgefundene Wölfe aus ganz Deutschland. Pathologie-Leiterin Claudia Szentiks warnt: „Ich befürchte persönlich, dass mit der Aufnahme ins Jagdrecht die Wolfspopulation drastisch zurückgeht – und 25 Jahre Forschung und Naturschutz binnen weniger Monate zunichte gemacht werden könnten.“

Historischer Kontext und aktuelle Konflikte

In Deutschland war der Wolf um 1850 nahezu ausgelöscht. Erst später wanderten vereinzelt Tiere aus Polen ein. Berühmt-berüchtigt wurde der „Würger von Ihlow“, der 1960 im Raum Jüterbog Weidetiere gerissen haben soll und von einem Bauern getötet wurde. Heute sorgen Wolfsrudel in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen für Konflikte: 2023 rissen Wölfe in Brandenburg fast 1.300 Schafe und Ziegen, 2025 waren es immer noch 700.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Zukunftsfragen

Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant, Jägern das „Recht zur Aneignung“ entnommener Wölfe zu gewähren – ähnlich wie bei Rot- und Schwarzwild. Kommerzieller Handel mit Trophäen bleibt verboten. Das Brandenburger Landesministerium betont: „Die Exemplare müssen fallweise wissenschaftlichen Untersuchungen zugänglich gemacht werden können.“ Unklar bleibt, wie sich der Bestand entwickelt und wie viele Wölfe künftig geschossen werden. Präparator Blumenstein resümiert: „Wir sind sehr froh, dass wir über die letzten 20 Jahre fleißig gesammelt haben.“

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