Anja Silja enthüllt Geheimnisse: Liebe zu Wieland Wagner
Anja Silja: Liebe und Geheimnisse von Bayreuth

Opernlegende Anja Silja (86) gewährt in bislang unveröffentlichten Erinnerungen erstmals tiefe Einblicke in ihre Zeit auf dem Grünen Hügel. Sie war nicht nur die jüngste Wagner-Heldin ihrer Generation, sondern auch die Geliebte des Regiegenies Wieland Wagner (1917–1966), des Enkels von Richard Wagner. In einem exklusiven Gespräch mit BILD schildert Silja eine längst vergangene Welt und verrät die größten Geheimnisse von Bayreuth.

Der unerwartete Durchbruch mit 19 Jahren

Als die damals 19-jährige Sopranistin 1960 nach Bayreuth geholt wurde, traute ihr kaum jemand den großen Durchbruch zu. Eigentlich sollte Starsopranistin Leonie Rysanek (1926–1998) die Senta im „Fliegenden Holländer“ singen. Doch nach deren Absage griff Wieland Wagner überraschend zur unbekannten Nachwuchssängerin. Silja erinnert sich an ihren ersten Auftritt beim Meister: Nach der ersten Bühnenprobe bestellte Wieland sie in sein Büro. Sie rechnete mit scharfer Kritik, doch stattdessen sagte er den Satz, den sie nie vergessen sollte: „Sie können bis zu den Bühnenproben nach Hause fahren. Ich kann Ihnen nichts beibringen!“ Für die damals 19-Jährige war das die größte Auszeichnung ihres Lebens.

Wieland Wagners Arbeitsweise und die Liebe

In ihren Erinnerungen beschreibt Silja Wieland Wagner als schwierigen Menschen, als Einzelgänger, distanziert und fast unnahbar. Doch sobald die Proben begannen, habe sich alles verändert. „Jedes Wort war ihm wichtig“, schreibt sie. Stundenlang arbeitete Wieland mit seinen Sängern an Sprache, Ausdruck und Musik, oft von morgens bis tief in die Nacht. Auch der schwedische Weltstar Birgit Nilsson (1918–2005) soll gesagt haben, sie würde „auch ohne Gage“ mit Wieland arbeiten. Bayreuth sei damals keine normale Oper gewesen, sondern eine Familie. „Man lebte der Kunst wegen, nicht des Geldverdienens wegen“, sagt Silja zu BILD. Sie verliebte sich in den verheirateten Mann, und er sich in sie. Sie blieb bis zu seinem Tod 1966 seine Geliebte.

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Der radikale Schlussstrich nach Wielands Tod

Nach Wielands Tod verlor der Grüne Hügel für Anja Silja seinen Zauber. Mit nur 26 Jahren zog sie einen radikalen Schlussstrich und beendete ihre Wagner-Karriere – in einem Alter, in dem die meisten Sänger von solchen Rollen erst zu träumen beginnen. In nur sechs Jahren hatte sie mit Wieland 36 Inszenierungen in ganz Europa erarbeitet, nicht nur Wagner-Werke. Umso härter traf sie sein früher Tod mit 49 Jahren. Bis heute glaubt sie, dass mit ihm auch das wahre Bayreuth starb. Wenn sie heute auf den Grünen Hügel blickt, erkennt sie ihre alte Heimat kaum wieder. Für sie bleiben die großen Jahre Bayreuths untrennbar mit einem Namen verbunden: Wieland Wagner.

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