Klaus Florian Vogt: „Ich lege dem Publikum meine Seele zu Füßen“
Heldentenor Vogt über Seele, Buhrufe und Fliegen

Klaus Florian Vogt (56) gilt als einer der herausragendsten Wagner-Heldentenöre der Gegenwart. In diesem Jahr wagt er etwas, das noch niemand vor ihm getan hat: Er ist in allen vier Teilen des Rings des Nibelungen bei den Bayreuther Festspielen zu sehen. Seine Paraderollen „Lohengrin“ und „Siegfried“ feierte er im letzten Jahr mit stürmischem Applaus. Nun legt er noch eine Schippe drauf.

Vom Orchestergraben an die Weltspitze

Vogt begann seine Karriere als Orchestermusiker. Er war jahrelang fest angestellter Hornist in Hamburg und hat sich aus dem Orchestergraben bis an die Weltspitze der Heldentenöre hochgearbeitet. Heute ist er international gefragt und gastiert auf allen wichtigen Bühnen der Welt. Unter der Dusche, im Auto oder im Garten singe er übrigens nie, wie er BILD sagt. „Das ist ja nicht das Gleiche ohne Publikum.“

Leidenschaftlicher Pilot und Ruhesuchender

Vogt ist auch leidenschaftlicher Pilot. „In der Luft kann ich komplett abschalten. Wann immer es sich ergibt, fliege ich selbst zu den Orten, an denen ich singe. Ich liebe aber auch das Wasser. Das Wasser und die Luft sind meine absoluten Ruheorte“, erklärt er.

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Familie und Nachwuchs

Vogt hat vier Söhne. Einer steht ebenfalls auf der Bühne. Auf die Frage, ob es der Traum eines Vaters sei, dass der Sohn in die eigenen Fußstapfen tritt, antwortet er: „Meine Frau und ich haben das nie forciert. Ich bin aber auch der Letzte, der meinem Sohn davon abgeraten hätte. Ganz generell freue ich mich darüber, dass das, was meine Kinder mit mir als Vater in diesem Beruf erlebt haben, sie offenbar nicht abgeschreckt hat. Das beruhigt mich.“

Buhrufe: Ein tiefer Stich ins Herz

In der Oper gibt es nicht nur Applaus, sondern manchmal auch Buhrufe. Kommen diese auf der Bühne an? „Oh ja! Die Leute, die Buh rufen, machen sich keinen Begriff davon, was sie anrichten. Buhrufe sind zutiefst verletzend. Man hat sich auf der Bühne ja total geöffnet, eigentlich ausgezogen. Das ist jedenfalls meine Herangehensweise. Ich lege dem Publikum meine Seele zu Füßen. Und dann einen Tritt in den Magen zu bekommen, tut doppelt weh. Am Ende eines Abends hat man die Jalousie, den Schutz vor der Außenwelt, noch nicht wieder vollständig geschlossen. Ich jedenfalls nicht, sodass ich dann sehr verletzlich bin.“

Er fügt hinzu: „Gott sei Dank habe ich solche Situationen nicht oft erleben müssen. Aber ich lese bis heute nie Kritiken. Selbst wenn die Kritik grundsätzlich positiv ist, reicht manchmal schon ein Wort, um die eigene Leistung in Zweifel zu ziehen. Und das möchte ich mir ersparen. Für mich zählen der Abend und der Moment. Wenn ich das Gefühl habe, ich war gut, brauche ich von außen keine weitere Bestätigung.“

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