Popstar Doja Cat hat am Mittwochabend in der Berliner Uber Arena ein Konzert gegeben, das alle Erwartungen sprengte. Die 30-jährige Künstlerin, die mit bürgerlichem Namen Amala Zandile Dlamini heißt, präsentierte sich bewusst uncool und lieferte einen Auftritt, der als seltsam gut und unkonventionell beschrieben werden kann.
Spektakulärer Auftakt
Die Show begann spektakulär: Doja Cat fuhr aus dem Bühnenboden empor, nur an zwei Seilen befestigt und in ein riesiges Showkleid gehüllt. „Every girl‘s a queen, but I‘m the boss“, rappte sie und setzte sich eine Sonnenbrille auf. Ein Sample von Edith Piaf erklang, und die Rapperin versank wieder im Bühnenboden. Das war erst der Anfang – die Show wurde zunehmend skurriler, aber im besten Sinne.
Internetphänomen Doja Cat
Doja Cat ist ein Internetphänomen. Sie beherrscht nicht nur Rappen, Singen und Tanzen perfekt und dominiert mit ihrem Pop-Hiphop-Sound die Charts, sondern sie macht auch ständig Witze, die nicht jeder versteht, und schert sich selten darum, ob das allen gefällt. So hieß sie das Publikum nicht willkommen, sondern forderte: „Berlin, welcome me!“
Stimmung kommt langsam auf
Es dauerte eine Weile, bis die Stimmung richtig kochte. Anfangs verschwand Doja Cat noch zu sehr zwischen ihrer Liveband, die komplett in Weiß gekleidet war. Der Funklook passte zur Bühne, die wie eine Mischung aus riesigem Zauberwürfel und Disco-Floor aussah. Das entsprach dem 70er-Sound ihres aktuellen Albums „Vie“, mit dem sie auf Welttournee ist.
Je näher Doja Cat ans Publikum kam, desto mehr entwickelte sich das Konzert zu einer richtigen Show. Beim Hit „Streets“ war sie nur noch als Silhouette vor dem rot leuchtenden Disco-Zauberwürfel zu erkennen – eine Anspielung auf den viralen Tanz zu dem Song, der 2021 TikTok eroberte. Dann loderte eine Feuerwand vor ihr auf, deren Hitze bis in die hinteren Reihen der Uber Arena reichte. Doch Doja Cat sang weiter, ohne zurückzuweichen.
Goofy und charmant
Doja Cat und TikTok gehören eng zusammen. Anders als frühere Popstars wurde sie durch Memes, Livestreams und Trollereien groß – während der Corona-Pandemie, als junge Menschen besonders viel am Handy waren. Ihre Choreografien sind bewusst albern („goofy“), ihr Auftreten das Gegenteil von nonchalant, also lässig und herzlich. Statt attraktiv in die Kamera zu schauen, schneidet sie Grimassen, leckt den Mikrofonständer ab und verheddert sich im Mikrofonkabel, sodass sie sich erst selbst entwirren muss, bevor es weitergeht.
Diese ständige Ironie und das Brechen mit großen Popstar-Erwartungen machen Doja Cat aus. Doch auch die beste Show endet irgendwann. „This is the last song. Dankeschön!“, kündigte sie ihren Hit „Jealous Type“ an. Als der Song zu Ende war, verteilte Doja Cat Rosen an Fans und stolperte fast von der Bühne – eben goofy. Die Band spielte das Outro alleine zu Ende – irgendjemand musste ja seriös bleiben.



