Toten Hosen in Stuttgart: Ein Abschied auf Zeit?
Toten Hosen in Stuttgart: Ein Abschied auf Zeit?

Stuttgart (Baden-Württemberg) – Bis zum bitteren Ende. Dieses Motto begleitet die Toten Hosen seit über 40 Jahren. Nun sind sie vielleicht ein letztes Mal auf Tour. Beim Auftakt in Stuttgart zeigte sich: Wenn dies der Anfang vom Ende sein sollte, dann ist es ein verdammt guter.

65.000 Fans feiern auf dem Cannstatter Wasen

Bei sommerlichen Temperaturen strömten 65.000 Fans auf den seit Monaten ausverkauften Cannstatter Wasen, um die Punk-Rock-Legenden zu feiern. Fast zweieinhalb Stunden lang bewiesen Campino (63) und seine Mitstreiter, dass sie seit Jahrzehnten zu den besten Live-Bands des Landes gehören. Die Fans sangen jede Zeile der 32 Lieder mit und gingen am Ende glücklich, aber auch etwas wehmütig nach Hause.

Campino dirigierte die Massen wie gewohnt

Über dem Abend schwebte die Frage: Ist das wirklich die letzte große Tour der Düsseldorfer? Fest steht: Das jüngst erschienene Nummer-1-Album „Trink aus! Wir müssen gehen“ ist das letzte Studioalbum der Band. Die Tour trägt denselben Titel und klingt wie ein Abschiedsgruß. Auf der Bühne war jedoch nichts davon zu spüren, auch wenn alle Musiker inzwischen jenseits der 60 sind. Campino rannte, sprang und dirigierte die Massen wie immer. Die Hosen gehören zu den wenigen deutschen Gruppen, die nicht nur Stadien füllen, sondern auch die Menschen in den hintersten Reihen erreichen.

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Eine Reise durch die Bandgeschichte

Die Setlist war eine Reise durch mehr als vier Jahrzehnte Bandgeschichte. Klassiker wie „Opel-Gang“, „Hier kommt Alex“, „Bonnie & Clyde“, „Auswärtsspiel“ und das bei einigen Ultra-Hosen-Fans wegen seiner Mainstreamigkeit wenig beliebte „Tage wie diese“ zündeten erwartungsgemäß. Doch auch die neuen Titel „Show muss weitergehen“, „Wir waren nie weg“ und „Was ist mit uns los“ entfalteten live eine noch größere Wirkung als auf dem Album.

Die Dimension dieser Tour ist außergewöhnlich. Bereits mehr als eine Million Tickets wurden verkauft. Die Konzertreise wurde bis 2027 verlängert und zählt zu den größten Rocktourneen, die es hierzulande je gegeben hat. Bassist Andi Meurer (63) genoss sichtbar jede Sekunde der besonderen Stimmung in Stuttgart.

Wie geht es weiter? Vielleicht wie bei Peter Maffay

Was kommt nach der Tour? Campino machte nur Andeutungen. „So wollen wir euch in Erinnerung behalten“, rief er den Fans zu. „Ihr seid in unseren Herzen.“ Ein komplettes Karriereende ist dennoch schwer vorstellbar. Spekuliert wird über ein Modell, wie es Peter Maffay (76) mittlerweile praktiziert: keine langen Tourneen mehr, dafür ausgewählte Konzerte an besonderen Orten. Auf jeden Fall können Fans die Hosen 2027 bei den Zusatzterminen sehen, da es für einige Städte noch Karten gibt.

Nach diesem Abend ist klar: Die Toten Hosen mögen ihr letztes Album veröffentlicht haben. Auf der Bühne klingen sie aber noch lange nicht wie eine Band, die gehen will. Das bittere Ende ist hoffentlich noch weit weg.

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