Arte zeigt Morettis „Nichtstuer“: Porträt einer überforderten Generation
Arte zeigt Morettis „Nichtstuer“: Porträt einer überforderten Generation

Nanni Morettis Filmklassiker „Die Nichtstuer“ (Originaltitel „Ecce Bombo“) aus dem Jahr 1978 ist ab sofort für drei Monate in der Arte-Mediathek verfügbar. Der Film zeichnet das Porträt einer zögernden, überforderten Generation junger Italiener, die nach den gesellschaftlichen Aufbrüchen der späten 1960er Jahre ihren Platz im Leben suchen.

Der berühmte Monolog

Bereits der berühmte Monolog zu Beginn des Films bringt die Unsicherheit der Figuren auf den Punkt: „Ich gehe hin. Nein, ich habe keine Lust. Ich gehe nicht. Nein.“ Die Hauptfigur Michele Apicella, gespielt von Moretti selbst, wägt am Telefon eine Party-Einladung ab und kommt zu keiner Entscheidung. Diese Szene steht exemplarisch für die gesamte Erzählung.

Handlung und Figuren

Michele Apicella, ein junger Mann in Rom, verbringt seine Abende ziellos mit Freunden in einer Bar. Sie diskutieren über Politik, Beziehungen und die großen Fragen des Lebens, später auch in sogenannten Bewusstseinsgesprächen. Viel geschieht darüber hinaus nicht, denn ihre Diskussionen verlaufen sich in endlosen, ergebnislosen Auseinandersetzungen. Einer von Micheles Freunden, Mirko, bringt das Gefühl der Gruppe auf den Punkt: „Wir sind ein bisschen gelangweilt, enttäuscht, ein bisschen müde. Wir haben unsere politische Aktivität eingestellt. Wir sind glücklich, weil wir diese Last nun los sind. Wir versuchen, Spaß zu haben. Ich bin ziemlich frustriert, auch weil es mir keinen Spaß macht. Wir müssen hier etwas unternehmen.“

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Erzählweise und Stil

Die Erzählweise des Films ist fragmentarisch und lose gefügt. Der Film besteht aus zahlreichen kurzen Szenen, die eher Zustände als klassische Handlungsschritte zeigen. Moretti ging es offenbar darum, Stimmungen statt echte Ereignisse zu transportieren. Gerade daraus bezieht der Film seinen eigentümlichen Reiz. Oftmals laden diese Momentaufnahmen zum Schmunzeln ein, weshalb der Film oft als Komödie bezeichnet wird. Moretti selbst wollte den Film jedoch nie als klassische Komödie verstanden wissen; er war damals überrascht, als er das Publikum bei Vorführungen lachen hörte.

Morettis Durchbruch

„Die Nichtstuer“ war Morettis zweiter Spielfilm und zugleich sein erster großer Erfolg, mit dem ihm der Durchbruch gelang. Der Film war auf dem Filmfestival von Cannes zu Gast. Gedreht wurde er mit einer kleinen Crew auf 16-mm-Material. Moretti, damals Mitte Zwanzig, spielte selbst die Hauptfigur – mit mittellangem Haar und Schnauzer.

Morettis weiteres Werk

Was danach folgte, brachte Moretti den Titel „Italiens Woody Allen“ ein. Er wird als Erneuerer des italienischen Kinos und einer der bekanntesten Filmemacher Europas gepriesen. Bei Filmfestspielen war er über Jahrzehnte eine feste Größe und wurde mit so gut wie jedem wichtigen europäischen Kinopreis ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören „Goldene Träume“ (1981), „Die Messe ist aus“ (1986), „Liebes Tagebuch“ (1994), „Das Zimmer meines Sohnes“ (2001) und „Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“ (2011).

Aktualität des Films

In „Die Nichtstuer“ zeigt sich bereits früh der Ton, der Morettis weiteres Werk prägen sollte: der Blick auf sich selbst und sein Umfeld, die Verbindung von persönlicher Erfahrung und politischer Beobachtung sowie ein leiser, oft selbstironischer Humor. In seiner Beobachtung des Lebensgefühls junger Leute, das von Selbstbefragung, Unsicherheit und dem Zögern vor Entscheidungen geprägt ist, wirkt der Film bis heute erstaunlich aktuell. So einige junge Leute können sich wohl in Michele und seinen Freunden, ihren Problemen und Gedanken wiedererkennen. Zugleich spiegelt der Film aber die spezifischen Erfahrungen junger Italiener der 1970er Jahre wider und damit die Zeit, in der er entstanden ist.

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