Kassel (Hessen) – Er schreibt gegen den Strom, denkt unkonventionell und trifft mit seinen Kolumnen oft ins Schwarze. Dafür wird BILD-Kolumnist Harald Martenstein (72) jetzt mit einer besonderen Ehrung ausgezeichnet: dem Deutschen Sprachpreis 2026. Die Auszeichnung, die seit 1985 vergeben wird, erhält Martenstein am Freitag in Kassel. Die Laudatio hält Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU).
Ein unkonventioneller Denker wird geehrt
Das passt. Denn Martenstein ist einer der bekanntesten Kolumnisten Deutschlands – und sieht dabei so gar nicht aus wie ein medienhungriger Lautsprecher. Graues Haar, markante Brille, freundliches Gesicht. Einer, der eher wirkt wie der sympathische Nachbar mit den klugen Gedanken als ein Starautor. Doch sobald Martenstein Worte ausspuckt, wird aus dem ruhigen Mann einer der schärfsten Beobachter des Landes. Mit trockenem Humor, feiner Ironie und der Gabe, den ganz normalen Wahnsinn des Alltags in wenige Sätze zu packen, begeistert er seit Jahren Millionen Leser. In BILD provoziert er in seiner Kolumne „Mail von Martenstein“, ohne laut zu werden.
Klöckners Würdigung
Klöckner sagt, warum er den Preis bekommt: „Für jeden Pulsbeschleuniger, den Sie Ihren Lesern beschert haben, und für die unerschütterliche Erinnerung daran, dass Freiheit im Kopf immer mit der Freiheit des Wortes beginnt.“ Martenstein bedankte sich bei der Bundestagspräsidentin für die Laudatio: „Ich habe wirklich gerne gehört, was Sie über mich gesagt haben!“
Martenstein über das Gendern
Martenstein ist kein Mann für Geschrei. Er ist ein Mann für Gedanken. Einer, der lieber schreibt als posiert und gerade deshalb zu den unverwechselbaren Stimmen des deutschen Journalismus gehört. In Kassel haute Martenstein raus, was er über das Gendern hält: „Das klingt ja wie in unserer Funktionärssprache. Der Kampf für mehr Vielfalt in der Sprache hat dazu geführt, dass unsere Sprache ein bisschen an Vielfalt, an Kraft und Schönheit verliert.“



