Domiziana: Hyperpop-Künstlerin präsentiert Single mit einzigartiger Performance
Domiziana: Hyperpop-Künstlerin präsentiert Single mit einzigartiger Performance

Eine gewöhnliche Single-Veröffentlichung wäre für Domiziana wohl zu langweilig. Die deutsch-italienische Popmusikerin wählte einen außergewöhnlichen Weg, um ihren neuen Song „Haut an Haut“ zu präsentieren. Am Freitag konnten die Menschen in Berlin-Kreuzberg der Künstlerin ganz nah kommen – nur eine Glasscheibe trennte sie.

Ein künstlerisches Experiment in Kreuzberg

Kurz vor 16 Uhr am Freitag war das Team rund um Domiziana noch mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Der Eckladen an der Kreuzung von Köpenicker und Skalitzer Straße in Berlin-Kreuzberg wurde mit schwarzer Plastikfolie abgedeckt. Nur die Schaufenster blieben offen und wurden inszeniert. Nachdem die Scheiben ein letztes Mal poliert wurden, begann die vierstündige Live-Performance.

Direkt am Schlesischen Tor, zwischen lautem Verkehrsrauschen, eiligen Passanten und gelegentlichen Polizei- und Feuerwehrsirenen, saß die 29-Jährige hinter einer Scheibe – mitten im Trubel eines heißen Berliner Sommertages. Über mehrere Stunden blieb sie dort und wartete auf Menschen, die über einen roten „Press Play“-Button vor der Scheibe den Song erneut starteten. „Scheinbar reproduzierbar wie ein Streaming-Track, und doch nie identisch“, hieß es in der Ankündigung.

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Die Performance im Detail

Auf Knopfdruck begann ein Countdown, der ankündigte, dass in zehn Sekunden die Performance startet. Wie eine Puppe saß Domiziana mit ausdruckslosem Gesicht auf einem schwarzen Stuhl vor einer weißen Wand. Sobald die Musik einsetzte, sprang sie auf und führte eine ausgeklügelte Choreografie auf, die den Stuhl einbezog. Sie bewegte sich zu ihrer neuen Single, die an diesem Freitag erschienen war.

In Zeiten von Streaming-Diensten und perfektionierten, oft unpersönlichen Social-Media-Auftritten wollte die junge Musikerin ein Zeichen setzen. Sie kam ihren Fans ganz nah, nur eine Glasscheibe trennte sie. Mit jedem Knopfdruck wurde der Song erneut abgespielt, doch jede Performance blieb einzigartig, nicht exakt reproduzierbar wie ein Clip im Internet. Das Event wurde als „künstlerisches Experiment zwischen Pop, Performance-Art und Installation“ beschrieben.

Hyperpop und digitale Verfügbarkeit

Domiziana setzte sich so mit „digitaler Verfügbarkeit und der Konsumierbarkeit von Kunst“ auseinander. Als Hyperpop-Musikerin steht sie für ein Genre, das von digitalen Elementen, viralen Trends und der Schnelllebigkeit sozialer Medien geprägt ist. Hyperpop entstand in den 2010er-Jahren unter anderem im Umfeld von Künstlerinnen wie SOPHIE und Charli XCX. Typisch sind stark verzerrte oder gepitchte Stimmen, überdrehte Synthesizer, harte Brüche und ein bewusst künstlicher, digitaler Sound, wie er auch in Domizianas neuer Single zu hören ist. Diesem digitalen Überschuss setzte Domiziana am Freitag eine analoge, unmittelbare Performance entgegen, die die Verfügbarkeit und den Konsum von Popmusik hinterfragt.

Reaktionen und Familiäre Unterstützung

Schon nach 20 Minuten glühten ihre Wangen rot, zwischen den Performances versuchte sie, zu Atem zu kommen, doch schon drückte die nächste Person auf den Knopf und der Countdown startete. Immer wieder hielten Passanten an, blieben stehen, schauten interessiert, was hier los war, und zückten ihre Handys, um den Moment zu filmen.

Mitten im Publikum, während Menschen kamen und gingen, lief eine Frau und fotografierte Domiziana aus allen Winkeln, die weißen Haare zu einem Knoten gebunden. Ihre Begeisterung war nicht zu übersehen. Es war Domizianas Mutter, die spürbar stolz auf ihre Tochter war. Alles an dem Projekt sei „absolut ihre Idee“, sagte die Sizilianerin. „Ich finde es klasse. Sie setzt einfach immer ihre Ideen um.“

Wie willensstark ihre Tochter ist, zeige sich in ihrem Lebenslauf. Sie habe Jura studiert, in Regelstudienzeit, um dann „ihr eigenes Ding zu machen“. Seitdem schreibt Domiziana eigene Lieder, lernt Choreografien und macht Musik. „Der Song macht Lust zu tanzen, hat einen guten Rhythmus und einen intelligenten Text“, sagte die Mutter über die neue Single. „Aber ich wusste gar nicht, dass sie so tanzen kann. Von mir oder meinem Mann hat sie das auf jeden Fall nicht.“ Überhaupt habe sich Domiziana mit der intensiven Choreografie und vier Stunden Live-Performance einiges zugemutet.

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Fans aus Bonn

Zwei ihrer Fans standen schon vor 16 Uhr bereit. Hazper, 22 Jahre alt, und Zoé, 24, kamen aus Bonn und sind „große Fans“ seit ihrem ersten Song. Seit Mittwoch waren sie in Berlin, weil dort die US-Sängerin Doja Cat aufgetreten ist. Auch Domiziana hatten sie schon einige Male live gesehen und werden sie auch diesen Sommer auftreten sehen. Aber so nah wie jetzt waren sie ihr noch nie.

„Sie hat so was Neues nach Deutschland gebracht“, sagte Hazper begeistert. „Sie lässt sich immer wieder was Neues einfallen“, ergänzte Zoé. Diese Einzigartigkeit lieben sie an ihr. Die Single „Haut an Haut“ sei ganz anders als ihre anderen Songs. „Viel persönlicher und emotionaler“, sagte Zoé. Domiziana zeige ihre verletzliche Seite. Die beiden wollten bis 20 Uhr bleiben, ehe sie zurück in die Heimat fahren.