Am 4. August 2026 wird im Berliner Zoo Palast die Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ fortgesetzt. Die Berliner Morgenpost und der Zoo Palast zeigen dann die Satire „Hai-Alarm am Müggelsee“ aus dem Jahr 2013. Regisseur Leander Haußmann wird persönlich anwesend sein. Der Film, den Haußmann gemeinsam mit Sven Regener schrieb und inszenierte, ist eine skurrile Parodie auf Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ und zugleich eine Abrechnung mit deutscher Bürokratie und Provinzpolitik.
Eine absurde Idee wird Realität
Die Handlung beginnt mit einer makabren Szene: Am Strandbad Friedrichshagen watet Michael Gwisdek in den Müggelsee, um die Wassertemperatur zu prüfen. Als er die Hand zurückzieht, fehlt die Hand – stattdessen spritzt Blut. Gwisdek reagiert mit stoischem Staunen, als hätte er Schimmel auf einem Fischbrötchen entdeckt. Dieser Moment steht sinnbildlich für den Ton des Films: Trash vom Feinsten, bei dem alle mitmachen.
Der Titel „Hai-Alarm am Müggelsee“ ist bereits ein Widerspruch in sich: Ein Meeresungeheuer in seichtem Binnengewässer. Haußmann und Regener gründeten eigens die Produktionsfirma „Müggelfilm“ und verzichteten auf ihre Gagen, um den Film ohne Fördermittel zu realisieren. Stattdessen investierten befreundete Schauspieler als Co-Produzenten. So entstand ein Guerilla-Film als Attacke auf das deutsche Kinowesen und das Zwerchfell der Zuschauer.
Eine Hommage an den „Weißen Hai“ – mit deutschen Eigenheiten
Alle Protagonisten aus Spielbergs Klassiker sind vertreten: der schmierige Bürgermeister (Henry Hübchen), der Ortspolizist (Detlev Buck), der Fischexperte (Tom Schilling) und der raubeinige Haijäger (Uwe Dag Berlin). Nur der Hai selbst bleibt lange unsichtbar. Anders als im Original wird die Spannung nicht durch das Monster erzeugt, sondern durch die Absurdität der Bürokratie. Regener meinte damals, man hätte den Film auch „Schneckenalarm am Müggelsee“ nennen können.
Die wahre Bedrohung ist die deutsche Verwaltung: Eine Krisensitzung am runden Tisch entfaltet sich zum Kernstück des Films. Behördenwahn, Zerredungs-Unkultur und Autoritätshörigkeit werden satirisch überhöht. Anna-Maria Hirsch spielt eine Marketing-Expertin, die das Männerdrama aufmischt und sich in Liebesdingen mit einer Konkurrentin messen muss.
Seitenhiebe auf Kapitalismus und DDR-Vergangenheit
Der Film zielt auch auf den Raubtierkapitalismus: Sobald der Hai-Alarm ausgerufen wird, strömen sensationslüsterne Massen zum See, und das jährliche Volksfest wird ein zweites Mal gefeiert. Wer am Wannsee ebenfalls Alarm ausrufen will, muss sein Alleinstellungsmerkmal verteidigen. Zudem gibt es Seitenhiebe auf die DDR: Haußmann baut als Pantomime eine Mauer am Strandbad, und die Aufhebung des Alarms wird von Hübchen stammelnd verkündet – eine Anspielung auf Günter Schabowskis Pressekonferenz zur Maueröffnung.
Haußmann, selbst Friedrichshagener, protestierte damals gegen den Bau des Flughafens BER und die Flugrouten über den Müggelsee. Der Film zeigt, wie friedlich der See ohne Fluglärm ist. Die Realität übertraf die Satire, als die BER-Eröffnung mehrfach verschoben wurde.
Ein Stelldichein der Haußmann-Stars
Viele Weggefährten aus Haußmanns Erfolgsfilm „Sonnenallee“ sind dabei: Henry Hübchen, Detlev Buck und Katharina Thalbach als „Irre von Friedrichshagen“, die das Ende der Welt wegen Günter Jauch verkündet. Tom Schilling, Benno Fürmann sowie die Theaterprinzipalen Frank Castorf und Jürgen Flimm als kommentierende Sidekicks runden das Ensemble ab. Haußmann und Regener selbst treten als Taucher, Polizisten und Alt-Punks auf und spielen auch die Filmmusik – Mundharmonika und Gitarre, punkrockmäßig improvisiert.
Ein zeitloses Dokument der deutschen Befindlichkeit
„Hai-Alarm am Müggelsee“ ist mehr als eine Genreparodie. Er ist eine Satire auf Lokalpolitik, Provinzialität und die Unfähigkeit, Krisen zu bewältigen. Die Entscheidungsträger verdrängen und leugnen, während die Krisensitzungen nichts bringen. In diesem Sinne ist der Film ein echtes Zeitdokument. Die Vorführung im Zoo Palast am 4. August um 20 Uhr bietet die Gelegenheit, diese schräge Perle auf der großen Leinwand zu erleben – in Anwesenheit von Leander Haußmann.



