Wirecard-Prozess: Urteil nach über 270 Verhandlungstagen in Sicht
Wirecard-Prozess: Urteil nach 270 Tagen in Sicht

Der Wirecard-Prozess in München, der als der größte Wirtschaftsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt, steht vor seinem Abschluss. Nach über dreieinhalb Jahren Verhandlungsdauer hat das Landgericht München I die Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung für die vierte Oktoberwoche vorgeschlagen. Dies gab der Vorsitzende Richter Markus Födisch bekannt.

Mehr als 270 Verhandlungstage seit Dezember 2022

Der Prozess gegen den früheren Vorstandschef Markus Braun und seine beiden Mitangeklagten läuft seit dem 8. Dezember 2022. Braun, der alle Vorwürfe bestreitet, befindet sich bereits seit dem Zusammenbruch des einstigen Dax-Konzerns im Sommer 2020 in Untersuchungshaft. Die Kammer hat bisher über 270 Verhandlungstage absolviert.

Auch die Schlussphase des Verfahrens wird sich hinziehen: Die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger Brauns sowie des Kronzeugen Oliver Bellenhaus planen jeweils einen ganzen Prozesstag für ihre Plädoyers ein. Braun selbst möchte zusätzlich einen ganzen Tag für sein letztes Wort nutzen, das ihm vor dem Urteil zusteht. Nur die Verteidiger des dritten Angeklagten, des ehemaligen Chefbuchhalters, wollen mit einem halbtägigen Plädoyer auskommen.

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Richter drängen auf Beschleunigung

Einen konkreten Urteilstermin nannte Richter Födisch nicht, doch nach den letzten Worten der Angeklagten fehlt nur noch der Richterspruch. Födisch schlug vor, die Plädoyers im Block hintereinander abzuhalten, beginnend mit der Staatsanwaltschaft am 19. Oktober. Bisher verhandelte die Kammer üblicherweise an zwei Tagen pro Woche, doch für die Schlussphase wollen die Richter das Tempo erhöhen. „Sonst müssen Sie sich darauf einstellen, dass es Wochen dauert, bis wir durchkommen“, warnte Födisch.

Staatsanwaltschaft sieht Braun als Haupttäter

Die Staatsanwaltschaft hält den 1969 geborenen Braun für den Hauptverantwortlichen. Ihm und seinen Komplizen wird vorgeworfen, über Jahre hinweg Umsätze in Milliardenhöhe erfunden zu haben, um den defizitären Konzern mit Hilfe hoher Bankkredite über Wasser zu halten. Der mutmaßliche Schaden wird in der Anklage auf gut drei Milliarden Euro beziffert.

Braun hingegen sieht sich als Opfer einer Betrügerbande um den untergetauchten früheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek. Der ehemalige Wirecard-Mitarbeiter in Dubai, Oliver Bellenhaus, beschuldigt Braun dagegen als Mittäter und Mitwisser.

Freispruch für Braun praktisch ausgeschlossen

Ein Freispruch für Braun gilt als unwahrscheinlich, sofern der Prozess nicht noch eine sensationelle Wende nimmt. Hielten die Richter Braun für unschuldig, hätte der österreichische Manager bereits aus der Untersuchungshaft entlassen werden müssen. Das Urteil wird in den kommenden Wochen erwartet.

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