Kölner Rhein-Wärmepumpe: Europas größte Anlage entsteht
Kölner Rhein-Wärmepumpe: Europas größte Anlage

Grundsteinlegung für Großprojekt am Rhein

Köln setzt auf eine innovative Wärmequelle: den Rhein. Am Donnerstag wird der Grundstein für Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe gelegt. Die Anlage mit einer Leistung von 150 Megawatt soll ab 2028 bis zu 50.000 Kölner Haushalte mit Wärme versorgen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wird zur Zeremonie erwartet. Das Energieunternehmen Rheinenergie investiert 280 Millionen Euro, gefördert mit rund 100 Millionen Euro von Bund und EU.

Funktionsweise und CO2-Einsparung

Die Wärmepumpe entzieht dem Rheinwasser Wärme und speist sie in das Fernwärmenetz der Kölner Innenstadt ein. Das Wasser wird dabei um zwei bis vier Grad abgekühlt, bleibt aber „völlig unverändert“, so der Betreiber. Das Projekt soll die CO2-Bilanz der Kölner Wärmeversorgung deutlich verbessern. Allerdings läuft die Pumpe nicht durchgängig: Sie wird nur bei günstigen Strompreisen betrieben, etwa im Frühjahr oder Sommer, wenn viel Solarstrom verfügbar ist. Im Winter bei „Dunkelflaute“ mit hohen Strompreisen bleibt sie eher aus.

Ergänzung durch fossile Kraftwerke

Direkt neben der Wärmepumpe betreibt Rheinenergie zwei Gas-und-Dampfturbinen-Anlagen. Diese fossilen Kraftwerke springen ein, wenn der Betrieb der Großwärmepumpe unwirtschaftlich ist. Der Wechselbetrieb dämpfe die Erzeugungskosten für Fernwärme und damit die Endpreise für Kunden, erklärt das Unternehmen.

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Potenzial der Aquathermie in Deutschland

Flusswasser-Wärmepumpen spielen in Deutschland noch eine Nebenrolle, haben aber großes Potenzial. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) verweist auf eine Studie, wonach knapp ein Fünftel der bayerischen Gemeinden ihren Wärmebedarf ganzjährig mit solchen Pumpen decken könnten. Für ganz Deutschland sei eine ähnliche Größenordnung realistisch. Bereits im Einsatz sind Anlagen in Mannheim, Berlin, Bremen, Rosenheim, Gießen und Lemgo; am Bodensee ist eine größere geplant. „Flussthermie kann lokal und regional erhebliche Beiträge leisten – insbesondere in Städten mit großen Flüssen und ausgebauten Wärmenetzen“, so der BDEW.

Herausforderungen und Risiken

Trotz des Potenzials hat die Technik in Deutschland noch Nischencharakter. Die Denkfabrik Agora Energiewende nennt zwei Gründe: Strom sei mit Abgaben und Umlagen stärker belastet als Erdgas, und die Investitionen seien hoch. „Die Preisnachteile von Strom gegenüber Erdgas müssen abgebaut, Wärmenetze aufgebaut werden und es braucht ausreichend Förderung“, sagt Agora-Expertin Anna Kraus. Zudem seien Großwärmepumpen bislang „maßgeschneiderte Einzelanfertigungen“; mehr Standardisierung sei nötig, um Kosten zu senken.

Die Grünen sehen die Technologie positiv, weisen aber auf Risiken hin. „Flusswärmepumpen haben gerade an großen Flüssen wie dem Rhein erhebliches Potenzial – vorausgesetzt, der Gewässer- und Artenschutz steht nicht hinten an“, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Alaa Alhamwi. Gründliche Umweltverträglichkeitsprüfungen seien unverzichtbar.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) warnt: „Die Nutzung von Flüssen zur Wärmegewinnung darf nicht zulasten ohnehin geschwächter Gewässerökosysteme gehen.“ Schon geringe Temperaturänderungen könnten Tiere, Pflanzen und ökologische Prozesse beeinflussen, so Nabu-Sprecher Julian Bethke. Der BUND sieht ebenfalls erhebliches Energiepotenzial, betont aber: „Eine Großwärmepumpe am Rhein, der ohnehin durch industrielle Nutzungen aufgeheizt wird und sehr viel Wasser führt, ist völlig anders zu bewerten als eine Anlage an einem kleineren oder mittleren Fluss.“ Fische und Amphibien müssten geschützt werden.

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