Listening-Bars: Der Trend zum bewussten Musikhören ohne Ablenkung
Listening-Bars: Der Trend zum bewussten Musikhören ohne Ablenkung

In Zeiten von Smartphones und ständiger Reizüberflutung gewinnen Listening-Bars an Beliebtheit. In diesen speziellen Locations steht das konzentrierte Hören von Musik im Vordergrund. In Hamburg eröffnete im September das Listening-Café Trader Hifi, in München im November die Bar Spin. Auch in Berlin gibt es mehrere solcher Bars, darunter die Bar Unkompress in Kreuzberg.

Betreiber Kevin Rodriguez erklärt den Erfolg: „Listening Bars sind gerade deshalb so gefragt, weil sie auf einen Wandel im Nachtleben reagieren. Die klassische Clubkultur hat es zunehmend schwer. Viele Menschen suchen nach Alternativen – nach etwas Intentionalem, Intimem, etwas Konzentriertem und Fokussiertem.“ Bei Unkompress werden komplette Alben von Anfang bis Ende gespielt, sonntags gibt es die „Album Listening Session“: ein Album, keine Handys, keine Gespräche.

Die persönliche Handschrift der Betreiber macht jede Bar einzigartig. Vom Soundsystem über die Plattenauswahl bis zum Gesamterlebnis spiegelt jeder Ort die Persönlichkeit seiner Betreiber wider. Rodriguez wählt die Musik nach Jahreszeit, Tageszeit und sogar nach dem Wetter aus. Getanzt wird nicht – der Raum ist klein, etwa zwanzig Sitzplätze, die Gäste kommen bewusst zum Zuhören.

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Das Konzept stammt ursprünglich aus Japan, wo man sich in Jazz-Kissas zum gemeinsamen Jazzgenuss trifft. Nun erobert es die Welt: In Paris gibt es viele „Bars audiophiles“, in London die Listening Bar Shai Space. Auch Musiker wie Rosalía, Billie Eilish und Frank Ocean veranstalten Listening Partys. Die Londoner Produzentin HAAi sagt: „Listening Partys schließen eine Lücke. Sie ermöglichen es, die Musik angemessen zu präsentieren, ohne den enormen finanziellen Druck.“

Der Musiker Ike trat bei Unkompress auf und betont die Intimität: „Die Intimität eines solchen Konzerts schafft eine engere Verbindung mit den Leuten, und die Musik profitiert davon. Das Publikum ist weniger abgelenkt.“ Listening Sessions würden Konzerte nicht ersetzen, aber sie gewinnen für die Musikbranche zunehmend an Bedeutung.

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