Paketbombe in Monaco: Oligarch unter den Opfern?
Paketbombe in Monaco: Oligarch unter den Opfern?

Im sonst so beschaulichen und als besonders sicher geltenden Monaco hat sich am Montagabend eine schwere Explosion ereignet. Vor einem Wohnhaus nahe der französischen Grenze detonierte eine Paketbombe, drei Menschen wurden schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft des Fürstentums geht nach derzeitigem Stand nicht von einem Terroranschlag aus, wie Staatsanwalt Stéphane Thibault mitteilte. Es werde wegen versuchter Tötung und einer Sprengstoffstraftat ermittelt. Die Fahnder gehen von einem Einzeltäter aus, der noch flüchtig ist.

Der Hergang der Explosion

Gegen 21.00 Uhr hatte ein Mann ein Paket am Eingang eines Wohngebäudes abgelegt, wie Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen. Kurz darauf traten drei Bewohner einer Erdgeschosswohnung an die Tür, und das Paket explodierte in diesem Moment. Neben den drei Bewohnern wurden zwei weitere Menschen durch umherfliegende Glassplitter verletzt. Der Verdächtige soll zu Fuß in Richtung der französischen Stadt Beausoleil geflüchtet sein. Die Polizei versucht, seinen Weg anhand der zahlreichen Überwachungskameras im Fürstentum nachzuzeichnen. Medien zeigten ein Bild eines rennenden Mannes mit einem dunklen Hut.

Opfer: Ukrainsicher Oligarch im Visier

Zur Identität der Opfer machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Nach Medienberichten aus Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln. Alle drei wurden in eine Klinik im südfranzösischen Nizza gebracht. Die Frau schwebt laut Staatsanwalt Thibault weiterhin in Lebensgefahr, der Mann und das Kind hingegen nicht mehr. Der Oligarch lebt seit spätestens 2021 in Monaco; gegen ihn seien im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig, und er werde auch nicht von ausländischen Behörden gesucht.

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Hintergrund: Sanktionen und Verbindungen nach Russland

Wadym Jermolajew (58) ist seit Dezember 2023 mit ukrainischen Sanktionen belegt. Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft ihm Kooperation mit Russland vor. Zuvor war Jermolajew mit seiner Firma Alef einer der größten Stadtentwickler in seiner Heimat Dnipro und zählte regelmäßig zu den reichsten Ukrainern. Der Zeitschrift Forbes sagte er einmal, dass er seit 2017 nur noch einen Pass von Zypern besitze, nicht mehr der Ukraine. Er tauchte auch in Recherchen des Nachrichtenportals Ukrajinska Prawda zum sogenannten Monaco-Bataillon auf, bei dem es um ukrainische Politiker und Geschäftsleute geht, die sich wegen des russischen Angriffskriegs an die Côte d'Azur abgesetzt haben.

Reaktionen aus Monaco

Die Explosion versetzte das Fürstentum in Schockstarre. Sirenen heulten, Rettungswagen und Polizeiautos rasten durch die Straßen. Dutzende Einsatzkräfte, auch aus Frankreich, waren vor Ort. Fürst Albert II. von Monaco schrieb in einer Mitteilung, die „kriminelle Explosion“ stelle einen „Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“ dar. „Meine Gedanken gelten in erster Linie den Opfern, ihren Angehörigen und den Einwohnern, die von dieser brutalen Tat unmittelbar betroffen sind. Prinzessin Charlene, meine Familie und ich möchten ihnen unser Mitgefühl und unsere unerschütterliche Unterstützung aussprechen“, so der Fürst. „Mehr denn je wird das Fürstentum Monaco angesichts von Gewalt und Kriminalität geeint und entschlossen bleiben.“

Anwohner berichten von dramatischen Szenen

Anwohner Jean-Marc schilderte der Zeitung Monaco-Matin: „Ich saß auf der Couch und sah mir die Fußball-WM an, als mich die heftige Explosion aufschreckte.“ Vom Fenster aus habe er eine enorme Rauchwolke gesehen und sei auf die Straße gelaufen. Dort habe er den blutüberströmten Jungen und die Mutter, die regungslos auf dem Boden lag, entdeckt. „Die Person, die dem Jungen geholfen hatte, sagte, dass der Frau die Füße abgerissen wurden“, berichtete der Nachbar. „Das ist schockierend. Man sagt immer, Monaco sei das sicherste Land der Welt.“

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