Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die Erde um etwa 1,5 Grad Celsius erwärmt. Dies verschiebt die Extreme: Hitzewellen werden stärker, Kälteperioden schwächer. Dabei sterben rund zehnmal mehr Menschen an den Folgen extremer Kälte als an Hitze. Jährlich sind weltweit etwa fünf Millionen vorzeitige Todesfälle auf Temperaturschwankungen zurückzuführen: 4,6 Millionen durch Kälte, eine halbe Million durch Hitze.
Wie Hitze und Kälte die Gesundheit beeinflussen
Die Gefährlichkeit von Temperaturen hängt stark von der Region ab. Dieselbe Temperatur kann in kalten Gebieten tödlich sein, in einer heißen Stadt jedoch optimal. Die „optimale Temperatur“ variiert um bis zu 18 Grad Celsius. In warmen Ländern ist die Sterberate bei Kälte oft höher als in kühlen Staaten, da Heizungen fehlen.
Die meisten „Hitzetoten“ sterben nicht an Hitzschlag, sondern an verschärften Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Auch Kältetote sind meist Menschen mit Vorerkrankungen. Die Opferzahlen werden statistisch ermittelt: als erhöhte Todesfälle während Kälte- oder Hitzewellen im Vergleich zum Durchschnitt.
Fortschritte bei der Hitzeprävention in Europa
Ein trauriger Höhepunkt war der Sommer 2003, als in Europa 70.000 Menschen mehr starben als üblich, davon 7.000 in Deutschland. Seither habe sich Deutschland besser an Hitze angepasst, so Experten im „Ärzteblatt“. Vergleichbare Hitzewellen forderten nicht mehr so viele Opfer. Wissenschaftler sehen eine leichte Abnahme der Hitzewirkung auf die Todesrate in Deutschland.
Ähnliche Trends zeigen sich in den USA und Spanien: Die Zahl der Hitzetoten ging trotz Erwärmung zurück. Der UN-Klimarat stellt fest: „In den meisten Ländern sind die Menschen weniger anfällig für Hitze, und es sterben weniger an ihren Folgen.“ Klimaanlagen, Wettervorhersagen, angepasstes Verhalten, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur und Architektur hätten das Risiko minimiert.
Weltweite Trends: Kältetote sinken stärker als Hitzetote steigen
Weltweit steigt die Zahl der Hitzetoten aufgrund wachsender Bevölkerung und alternder Gesellschaften. Der Rückgang der Kältetoten fiel jedoch größer aus, sodass die Gesamtopferzahl durch Temperaturextreme abgenommen hat. Klimaforscher warnen jedoch, dass der Anstieg der Hitzeopfer in einigen Jahrzehnten den Rückgang der Kältetoten übertreffen könnte – falls Menschen sich nicht besser schützen.
Weil Siedlungen sich stets an wandelndes Klima angepasst haben, gelten Prognosen künftiger Hitzeopfer als unsicher. Studien, die Anpassungsmaßnahmen einbeziehen, zeigen, dass sich Hitze- und Kälteeffekte ungefähr ausgleichen könnten, aber erhebliche regionale Risiken bestehen, besonders in heißen armen Ländern.
Klimaanlagen als Lebensretter
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont: „Eigentlich müsste niemand an Hitze sterben. Es ist eine Frage von Schutzmaßnahmen.“ Vor allem Klimaanlagen retten Menschenleben. Die feucht-heißesten Länder wie die arabischen Golfstaaten gehören zu den am besten geschützten, dank flächendeckender Klimaanlagen, sogar im Freien. Gefährlich ist Hitze vor allem für Arme und Arbeiter im Freien.
Der menschliche Körper verträgt trockene Hitze bis 55 Grad Celsius, bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit jedoch nur bis 35 Grad. Die globale Erwärmung erhöht die Dauer und Intensität unerträglicher Hitze. Orte mit extremer Luftfeuchtigkeit gelten als tödliche Fallen. Doch in Jacobabad, Pakistan, einem der feucht-heißesten Orte, fanden Journalisten kein Massensterben, sondern eine angepasste Lebensweise.
Deutschlands ignoranter Hitzeschutzplan
Trotz der Bedeutung von Klimaanlagen fehlt das Wort „Klimaanlage“ im deutschen Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums von 2023 und den Roadmaps von 2024 und 2025. Dies kritisiert der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski als ignorant, während die WHO Klimaanlagen als zentrales Element im Kampf gegen Hitze sieht.



