Putins Luxus-Jacht „Graceful“ in der Ostsee vor Deutschland gesichtet
Putins Jacht „Graceful“ in der Ostsee gesichtet

Ein russischer Flottenverband, darunter die dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zugeschriebene Luxus-Jacht „Graceful“, ist in der Ostsee vor Deutschland gesichtet worden. Dies berichteten die „Kieler Nachrichten“ (KN) am Montag. Die Sichtung erfolgte während der Kieler Woche, dem nach Veranstalterangaben größten Segelevent der Welt, das jährlich Millionen Besucher nach Schleswig-Holstein lockt. Pünktlich zum Abschlusswochenende sorgte der unerwartete Gast für höchste Alarmbereitschaft.

Flottenverband mit militärischer Eskorte

Die mehr als 80 Meter lange und 20 Meter breite Jacht wurde den KN zufolge von dem Kaliningrader Sicherungsschiff „Voevoda“ und dem russischen Zerstörer „Severomorsk“ eskortiert. Die Flottenbewegungen begannen bereits mitten in der Kieler Woche. Am Sonntagmittag passierte der Verband den nördlichen Küstenabschnitt Kap Arkona vor Rügen und bewegte sich mit etwa zwölf Knoten westwärts in Richtung dänische Gewässer.

Die Verbandfahrt versetzte die deutsche und dänische Marine in Alarmbereitschaft. Von deutscher Seite waren die Küstenwachschiffe „Bamberg“ und „Bad Bramstedt“ sowie der Marine-Tender „Rhein“ im Einsatz, wie die KN berichteten. Dänische Patrouillenboote begleiteten den Verband.

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„Graceful“ mit Drohnenabwehrnetzen überzogen

Laut KN-Reporter Frank Behling war die Jacht „Graceful“ besonders geschützt: Alle Decks und Außenflächen waren mit Netzen gegen Drohnen überzogen. Zudem waren Drohnenabwehranlagen am Mast und an den Aufbauten installiert. Ein Sicherheitsexperte mutmaßte gegenüber den „Kieler Nachrichten“, dass die Verlegung solcher „prestigeträchtiger Schiffe aus der Ostsee als Folge der ukrainischen Drohnenangriffe gesehen werden könnte“.

Hintergrund: Flucht aus Hamburg und abgeschalteter Transponder

Seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 hatte die „Graceful“ keine Transpondersignale mehr übermittelt. Bereits am 7. Februar 2022 hatte die Jacht überstürzt den Hamburger Hafen verlassen, wo sie bis Sommer 2022 hätte umgebaut werden sollen. Sie steuerte im Eiltempo um Rügen herum den Hafen von Kaliningrad an. Ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn wurde der Transponder abgeschaltet – bis vor wenigen Tagen ein neues Signal auftauchte.

Aktuelle Route: Richtung Nordsee und möglicherweise Istanbul

Die Recherche-Einheit „DR Verifier“ des dänischen Rundfunksenders DR berichtete am Montag, dass der Verband in der Nacht von Sonntag auf Montag dänische Ostseegewässer passierte. Um Mitternacht erreichte die Gruppe die Meerenge Großer Belt, passierte am frühen Montagmorgen die Insel Anholt und bewegte sich weiter zur Nordspitze Dänemarks bei Skagen, wo die Nordsee beginnt.

Laut Schiffsortungsdienst „Vesselfinder“ sendete das Sicherungsschiff „Voevoda“ letztmalig am 30. Juni um 8:35 Uhr deutscher Zeit ein Signal – zu diesem Zeitpunkt befand es sich bereits vor Norwegens Südwestküste nahe der Jæren-Küste. Vom Dienst „Marine Traffic“ wurden Transpondersignale der „Graceful“ veröffentlicht: Zuletzt am 29. Juni 2026 um 17:19 Uhr, kurz hinter dem Skagerrak an der Nordspitze Dänemarks. Als Ziel der Jacht wird der Hafen von Istanbul in der Türkei angegeben, wo sie am 12. Juli eintreffen soll. Ob dies tatsächlich der Fall ist, bleibt abzuwarten.

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