Nach jahrelanger Funkstille ist die mutmaßliche Luxusjacht des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die „Graceful“, in der Ostsee gesichtet worden. Das mehr als 80 Meter lange und 20 Meter breite Schiff wurde von einem russischen Flottenverband eskortiert, darunter das Sicherungsschiff „Voevoda“ und der Zerstörer „Severomorsk“. Die Sichtung erfolgte während der Kieler Woche, dem nach Veranstalterangaben größten Segelevent der Welt, was zu höchster Alarmbereitschaft bei der deutschen und dänischen Marine sowie der Nato führte.
Flottenbewegungen während der Kieler Woche
Wie die „Kieler Nachrichten“ (KN) am Montag berichteten, begannen die Flottenbewegungen bereits mitten in der Kieler Woche. Am Sonntagmittag passierte der Verband den nördlichen Küstenabschnitt Kap Arkona vor Rügen und bewegte sich mit zwölf Knoten westwärts in Richtung dänischer Gewässer. Die deutsche und dänische Marine wurden in Alarmbereitschaft versetzt; von deutscher Seite waren die Küstenwache-Schiffe „Bamberg“ und „Bad Bramstedt“ sowie der Marine-Tender „Rhein“ im Einsatz. Dänische Patrouillenboote begleiteten den Verband.
„Graceful“ mit Drohnenschutz ausgestattet
Laut KN-Reporter Frank Behling war die „Graceful“ in besonderem Maße geschützt: Alle Decks und Außenflächen waren mit Netzen gegen Drohnen überzogen, zudem waren Drohnenabwehranlagen am Mast und an den Aufbauten installiert. Ein Sicherheitsexperte mutmaßte gegenüber den KN, dass die Verlegung solcher „prestigeträchtiger Schiffe aus der Ostsee als Folge der ukrainischen Drohnenangriffe gesehen werden“ könnte.
Die Jacht hatte seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 keine Transpondersignale mehr gesendet. Bereits am 7. Februar 2022 verließ die „Graceful“ überstürzt den Hamburger Hafen, wo sie bis Sommer 2022 hätte umgebaut werden sollen, und steuerte Kaliningrad an. Etwa ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn wurde der Transponder abgeschaltet – bis vor wenigen Tagen ein neues Signal auftauchte.
Route durch dänische Gewässer in Richtung Nordsee
Die Recherche-Einheit „DR Verifier“ des dänischen Rundfunksenders DR berichtete am Montag, dass der Verband in der Nacht von Sonntag auf Montag dänische Ostseegewässer passierte. Um Mitternacht erreichte die Gruppe den Großen Belt, passierte am frühen Montagmorgen die Insel Anholt und bewegte sich weiter Richtung Skagen, wo die Nordsee beginnt. Laut Schiffsortungsdienst „Vesselfinder“ sendete die „Voevoda“ letztmalig am 30. Juni um 8:35 Uhr deutscher Zeit ein Signal – zu diesem Zeitpunkt befand sie sich vor Norwegens Südwestküste nahe der Jæren-Küste.
Der Schiffsverfolgungsdienst „Marine Traffic“ veröffentlichte Transpondersignale der „Graceful“ vom 29. Juni 2026 um 17:19 Uhr, als das Schiff kurz hinter dem Skagerrak an Dänemarks Nordspitze war. Danach war das Objekt laut Kategorisierung „außer Reichweite“. Als Ziel wird der Hafen von Istanbul in der Türkei angegeben, wo die Jacht am 12. Juli eintreffen soll. Ob das Prestigeobjekt tatsächlich die Stadt am Bosporus ansteuert, bleibt abzuwarten.



