7,7 Millionen Beschäftigte in Deutschland verdienen weniger als 15 Euro pro Stunde
7,7 Millionen Beschäftigte unter 15 Euro Lohn

Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor: Jeder Fünfte unter 15 Euro

Die Lohnsituation in Deutschland zeigt eine deutliche Schieflage: Nach aktuellen Daten verdient knapp jede und jeder fünfte Beschäftigte weniger als 15 Euro brutto pro Stunde. Konkret waren im vergangenen April 7,7 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (19,3 Prozent) von dieser Niedriglohnsituation betroffen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht.

Breite Betroffenheit in verschiedenen Branchen

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Problems: Rund 10 Millionen Beschäftigte erhalten weniger als 16 Euro pro Stunde, während etwa 5 Millionen sogar unter 14 Euro verdienen. Die Daten stammen aus der jüngsten Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes und zeigen eine deutliche Diskrepanz zu den Forderungen der EU-Mindestlohnrichtlinie.

Besonders betroffen sind bestimmte Wirtschaftszweige. Im Gastgewerbe gab es im vergangenen Jahr über 1,1 Millionen Jobs mit Stundenlöhnen unter 15 Euro. Aber auch der Autohandel und die Autoinstandhaltung sowie wirtschaftliche Dienstleistungen weisen hohe Anteile an Niedriglohnbeschäftigten auf. Überdurchschnittlich betroffen sind zudem die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie der Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung.

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Regionale und geschlechtsspezifische Unterschiede

Die regionale Verteilung zeigt deutliche Unterschiede: In Westdeutschland hatten etwa 6,5 Millionen Menschen Jobs unter 15 Euro, während in Ostdeutschland knapp 1,2 Millionen Beschäftigte betroffen waren. Geschlechtsspezifisch betrachtet sind rund 4,3 Millionen Frauen und 3,4 Millionen Männer von Niedriglöhnen betroffen.

Politische Forderungen nach höheren Löhnen

Der Linke-Abgeordnete Cem Ince, der die parlamentarische Anfrage gestellt hatte, kritisiert die aktuelle Situation scharf: „Der EU-Mindestlohnrichtlinie zufolge müssten Beschäftigte mindestens 15 Euro pro Stunde verdienen.“ Für eine echte Lebensqualität seien sogar deutlich über 16 Euro notwendig, wie Studien zeigten. „Kein Wunder, dass die Unzufriedenheit im Land groß ist, wenn Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter weniger verdienen“, so der Politiker.

Ince wirft der Bundesregierung und Unternehmen vor, den Druck auf Beschäftigte zu erhöhen: „Sie sollen länger arbeiten, schneller wieder gesund werden und jederzeit verfügbar sein. Über die miese Bezahlung wird hingegen geschwiegen.“ Der Abgeordnete fordert einen „armutsfesten Mindestlohn“ sowie eine Stärkung von Tarifverträgen und Gewerkschaften.

Aktuelle Mindestlohnsituation und Definitionen

Der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 13,90 Euro und soll Anfang 2027 auf 14,60 Euro steigen. Das Statistische Bundesamt hatte die Niedriglohnschwelle im April 2025 mit 14,32 Euro angegeben. Offiziell zählen Löhne mit weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes zum Niedriglohnsektor. Beim mittleren Lohn verdient die eine Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger.

Vertreter von Gewerkschaften und Politik fordern seit längerem eine Lohnuntergrenze nicht unter 60 Prozent des mittleren Bruttolohns und berufen sich dabei auf die EU-Mindestlohnrichtlinie. Laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wären schon im vergangenen Jahr 15,12 Euro in Deutschland nötig gewesen, um diese 60-Prozent-Schwelle zu erreichen – basierend auf OECD-Berechnungen.

Die Debatte um angemessene Löhne und soziale Gerechtigkeit gewinnt vor diesem Hintergrund weiter an Bedeutung. Ince betont: „Der Satz 'Arbeit muss sich lohnen' darf nicht bedeuten, Arbeitslose zu drangsalieren. Er muss heißen: Gute Löhne für alle Arbeitenden, statt leistungsloses Einkommen für die Reichsten.“

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