Berlin steht vor massiver Fachkräftelücke: 560.000 Stellen bis 2035 zu besetzen
Berlin: 560.000 Stellen bis 2035 zu besetzen

Berlin steht vor massiver Fachkräftelücke: 560.000 Stellen bis 2035 zu besetzen

In der deutschen Hauptstadt Berlin zeichnet sich eine alarmierende Entwicklung am Arbeitsmarkt ab. Wenn Wirtschaft und Politik nicht entschlossen gegensteuern, droht der Metropole eine riesige Fachkräftelücke, die den Wohlstand der Stadt gefährden könnte. Bis zum Jahr 2035 – also in weniger als einem Jahrzehnt – müssen in Berlin rund 560.000 Arbeitsplätze neu besetzt werden, wie Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe von der SPD mitteilte. Diese Zahl entspricht etwa einem Viertel aller aktuell Erwerbstätigen in der Hauptstadt und verdeutlicht die Dimension der Herausforderung.

Demografischer Wandel als Haupttreiber

Als zentralen Grund für diese besorgniserregende Entwicklung nannte Senatorin Kiziltepe den demografischen Wandel. Das bedeutet konkret, dass ältere Jahrgänge in den kommenden Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheiden werden, ohne dass genügend Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen. Weitere entscheidende Faktoren sind die fortschreitende Digitalisierung und der wirtschaftliche Strukturwandel, die beide den Arbeitsmarkt tiefgreifend verändern.

„Ohne Fachkräfte kein Wohlstand“, mahnte Kiziltepe und unterstrich damit die existenzielle Bedeutung des Themas für die Zukunft Berlins. Die Hauptstadt stehe vor einer ihrer größten wirtschaftspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre.

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Berliner Fachkräftestrategie 2035 als Antwort

Vor diesem Hintergrund hat der Berliner Senat eine umfassende „Berliner Fachkräftestrategie 2035“ beschlossen. Diese Strategie umfasst zahlreiche Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen, um der drohenden Lücke entgegenzuwirken. Zu den zentralen Ansätzen gehören:

  • Die Erhöhung der Erwerbstätigenquote von Frauen, die 2024 bei 70,9 Prozent lag
  • Die bessere Integration von Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte, deren Erwerbstätigenquote 2024 bei 66,3 Prozent lag
  • Die verstärkte Einbindung von Menschen mit Behinderungen und Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt
  • Die Berücksichtigung von Standortfaktoren wie bezahlbarem Wohnraum, der in Berlin besonders knapp ist und Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung behindert

Branchen im Wandel: Gewinner und Verlierer

Laut Prognosen der Arbeitsverwaltung wird sich die Arbeitslandschaft Berlins in den kommenden Jahren deutlich verändern. Während einige Branchen wachsen werden, müssen andere mit Rückgängen rechnen:

Wachstumsbranchen:

  1. Informations- und Kommunikationsbranche
  2. Gesundheitswesen
  3. Bereich Erziehung und Bildung

Rückläufige Branchen:

  1. Produzierendes Gewerbe
  2. Öffentliche Verwaltung
  3. Baugewerbe
  4. Handel

Die Arbeitsverwaltung prognostiziert, dass bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze zusätzlich entstehen werden, während gleichzeitig 87.000 Arbeitsplätze vollständig wegfallen. Noch bedeutsamer ist jedoch, dass sich die Tätigkeiten bei rund 450.000 Arbeitsplätzen durch Digitalisierung und den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) deutlich verändern werden – viele dieser Stellen könnten sogar vollständig ersetzt werden.

Digitalwirtschaft als Wachstumsmotor

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) plädiert dafür, im Bemühen um Fachkräfte vor allem auf Wachstumsbranchen wie die Kreativ- und Digitalwirtschaft zu setzen. Diese Branche hat in Berlin bereits 2024 einen beeindruckenden Umsatz von 56 Milliarden Euro erzielt und steht damit für 15 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der Hauptstadt.

Die Digitalwirtschaft umfasst heute bereits rund 200.000 Beschäftigte in Berlin – zum Vergleich: In der gesamten Berliner Industrie arbeiten nur etwa 100.000 Menschen. Diese Diskrepanz verdeutlicht den strukturellen Wandel, den die Hauptstadt durchläuft, und unterstreicht die Bedeutung der Digitalbranche als zentralen Wachstumsmotor für die Zukunft.

Die Fachkräftestrategie des Senats setzt genau hier an und versucht, die Weichen so zu stellen, dass Berlin auch in Zukunft als attraktiver Wirtschaftsstandort mit ausreichend qualifizierten Arbeitskräften bestehen kann. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Maßnahmen greifen und die drohende Fachkräftelücke tatsächlich geschlossen werden kann.

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