Handwerks-Präsident Jörg Dittrich (56) hat die Bundesregierung aufgefordert, noch im Herbst ein zweites Reformpaket vorzulegen, das die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung deutlich senkt. Im Interview mit BILD erklärte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): „Das ist meine Aufforderung an die Politik: dieses Paket entschlossen umzusetzen. Und im Herbst dann auch ein Paket vorzulegen, das die Lohnzusatzkosten wieder Richtung 40 Prozent schiebt.“
Sozialbeiträge aktuell über 42 Prozent
Derzeit liegen die Sozialbeiträge bei etwas mehr als 42 Prozent des Bruttolohns. Arbeitnehmer tragen davon mindestens die Hälfte, abhängig von der Kinderzahl. Ab 2028 droht ein Anstieg auf nahezu 44 Prozent, vor allem wegen eines voraussichtlichen Anstiegs des Rentenbeitrags um 1,8 Prozentpunkte. Dittrich fordert, diesen Anstieg durch eine Senkung der Pflege- und Krankenkassenbeiträge auszugleichen. Möglich sei dies etwa durch höhere Eigenbeteiligung der Patienten: „Wir müssen über mehr Eigenverantwortung sprechen. Das ist ein harter Satz, aber ich habe keine andere Idee“, so Dittrich.
Rentenreform richtig, aber nicht ausreichend
Der Handwerks-Präsident lobte die von Schwarz-Rot geplante Rentenreform als richtig, warnte jedoch vor einer einseitigen Fokussierung. „Wenn wir loben, dass ein Thema langfristig gelöst werden soll, dann darf das eben nicht ablenken davon, dass jetzt auf der anderen Seite etwas getan werden muss zur Senkung von Steuer- und Abgabenlast. Im vollen Bewusstsein, dass die Haushalte keine pauschale Kürzung zulassen, müssen wir uns dieser Aufgabe stellen. Uns nützt das beste Mittelfeld nichts, wenn der Torwart nicht da ist“, betonte Dittrich.
Steuerliche Ungleichbehandlung von Handwerk und Konzernen
Dittrich mahnte zudem eine steuerliche Nachbesserung an. Handwerksbetriebe, die Einkommensteuer zahlen, seien gegenüber Konzernen mit Körperschaftsteuer benachteiligt. Ob das geplante erste Reformpaket mit weniger Bürokratie zu neuen Jobs im Handwerk führe, könne er nicht sagen: „Entscheidend ist, ob die sich wandelt und Investitionen entstehen.“ Genau deshalb müsse die Regierung zusätzlich zu den bisherigen Entscheidungen weitere Reformen umsetzen. Ziel müsse die wirkliche Entlastung von Arbeitnehmern und Firmenchefs sein: „Wer etwas leistet, muss mehr Netto vom Brutto in der Tasche haben.“



