Pilotenstreik bei Lufthansa: Auswirkungen für Passagiere geringer als erwartet
Die Vereinigung Cockpit (VC) hat mehr als 5000 Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Lufthansa Cityline zu einem 48-Stunden-Streik aufgerufen, der um Mitternacht beginnen soll. Trotz dieses Arbeitskampfes kündigt die Fluggesellschaft an, dass am Donnerstag und Freitag viele Flüge planmäßig stattfinden werden. Laut Unternehmensangaben sollen mindestens die Hälfte der geplanten Verbindungen starten, auf Langstreckenflügen sogar bis zu 60 Prozent. Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo müssen nur etwa 20 Prozent der Flüge gestrichen werden.
Maßnahmen zur Minimierung der Ausfälle
Um die Auswirkungen des Streiks abzufedern, setzt Lufthansa verschiedene Strategien ein. Das Unternehmen plant, größere Flugzeuge auf betroffenen Strecken einzusetzen, Flüge von nicht bestreikten Konzernairlines durchführen zu lassen und freiwillige Crews zu nutzen. Lufthansa-Manager Francesco Sciortino dankte den freiwilligen Mitarbeitern ausdrücklich für ihren Einsatz. Passagiere, deren Flüge dennoch ausfallen, werden per E-Mail benachrichtigt.
Geringere Streikauswirkungen im Vergleich zum Vormonat
Andreas Pinheiro, Präsident der VC, erklärte in einer Videobotschaft, dass der aktuelle Streik kleiner ausfallen werde als die erste Streikwelle im Februar. Damals fielen binnen eines Tages rund 800 Flüge aus, während nun nur etwa 300 Streichungen pro Tag erwartet werden. Pinheiro führte dies darauf zurück, dass in dieser Woche mehr Personal zur Verfügung stehe und sich die Kabinengewerkschaft Ufo nicht am Streik beteilige. Die VC bezeichnete diese Situation als "okay".
Hintergründe des Streiks und politische Einflüsse
Die Tarifkonflikte variieren zwischen den Lufthansa-Töchtern: Bei Lufthansa Cityline geht es um Gehaltserhöhungen, während bei Lufthansa Cargo und der Kerngesellschaft höhere Betriebsrenten im Fokus stehen. Die VC erwartet in beiden Fällen verhandlungsfähige Angebote. Aufgrund des Irankriegs hatte die Gewerkschaft in der Vorwoche von Streiks abgesehen und etliche Ziele in der Region ausgenommen, um keine Passagiere in Krisengebieten stranden zu lassen. Laut Lufthansa ist im Streikzeitraum nur ein Flug ins saudische Riad geplant, da sich die Lage am Golf durch die Wiederaufnahme des Betriebs von Golf-Airlines entspannt hat.
Kritik von Lufthansa-Management
Personalvorstand Michael Niggemann verurteilte den Streikaufruf als unnötige Eskalation und bezeichnete ihn als nicht nachvollziehbar. "Vor allem nicht in einer Zeit, in der wir mit dem Iran-Krieg ein neues Ausmaß geopolitischer Unsicherheit erleben und Passagiere weltweit davon betroffen sind", so Niggemann. Er verwies auf die jüngsten Drohnenangriffe auf Dubai, die das Geschäftsmodell der Golf-Airlines erschüttert haben, und betonte, dass Lufthansa von dieser Unsicherheit profitiere.
Insgesamt zeigt sich, dass der Pilotenstreik bei Lufthansa trotz der angespannten Lage weniger disruptive Auswirkungen haben wird als zunächst befürchtet, dank umsichtiger Planung und reduzierter Streikintensität.



