Sachsen-Anhalt: Deutlicher Rückgang bei Leiharbeit - Neue Daten zeigen strukturelle Veränderungen
Die Zeitarbeit in Sachsen-Anhalt verzeichnet einen anhaltenden Rückgang. Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen, dass die Anzahl der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter im Jahresvergleich um 700 Personen gesunken ist, was einem Rückgang von fünf Prozent entspricht.
Nachfrageeinbruch als Hauptursache
Im Juni 2025 waren in Sachsen-Anhalt noch etwa 14.700 Menschen in der Zeitarbeit beschäftigt. Dies entspricht lediglich zwei Prozent aller Beschäftigten im Bundesland. Markus Behrens, Vorsitzender der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, führt den Rückgang auf die nachlassende wirtschaftliche Nachfrage in vielen Branchen zurück. „Wenn Unternehmen weniger produzieren oder ihre Aufträge zurückgehen, bauen sie zuerst Zeitarbeitskräfte ab, bevor sie die Stammbelegschaft reduzieren“, erklärt Behrens. Zudem bevorzugen Unternehmen derzeit vermehrt die Einstellung dauerhaft festangestellter Mitarbeitender anstelle von Zeitarbeitskräften.
Gemischte Signale am Arbeitsmarkt
Trotz weniger Neueinstellungen in der Zeitarbeit meldeten die Unternehmen etwas mehr offene Stellen. Insgesamt waren es rund 5.800 Stellen, 100 mehr als im Vorjahr. Die Verteilung zeigt folgendes Bild:
- 42 Prozent der offenen Stellen richten sich an Helfer
- 52 Prozent der offenen Stellen richten sich an Fachkräfte
Im Jahr 2025 wechselten etwa 6.400 Arbeitslose in die Zeitarbeit, etwas weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig meldeten sich mehr ehemalige Leiharbeitskräfte arbeitslos, insgesamt etwa 7.200 Personen. Der Großteil dieser Gruppe stammt aus dem Helferbereich.
Strukturelle Verschiebungen in der Beschäftigtenzusammensetzung
Die Zusammensetzung der Zeitarbeitskräfte verändert sich deutlich. Während die Zahl der deutschen Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter um 1.100 Personen sank, stieg die Zahl der ausländischen Beschäftigten um 200 an. Diese werden vorwiegend in folgenden Bereichen eingesetzt:
- Lagerwirtschaft sowie Post, Zustellung und Güterumschlag (42 Prozent)
- Metall- und Maschinenbauberufe (16 Prozent)
- Lebensmittel- und Genussmittelherstellung (4 Prozent)
Signifikante Lohnunterschiede bleiben bestehen
Die Entlohnung in der Leiharbeit liegt deutlich unter dem Niveau der Vollzeitbeschäftigung. Ende 2024 betrug der Medianlohn der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter 2.200 Euro brutto monatlich. Damit liegt er klar unter dem Durchschnittslohn aller Vollzeitbeschäftigten von 3.400 Euro. Diese Differenz erklärt sich vor allem durch:
- Den hohen Anteil an Helfertätigkeiten
- Den geringen Einsatz von Spezialisten und Experten
- Die tariflich festgelegte 35-Stunden-Woche in der Zeitarbeit
Die Entwicklung zeigt, dass sich der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt weiter ausdifferenziert, während die Zeitarbeit als flexibles Beschäftigungsinstrument an Bedeutung verliert.



