Sana Klinik Templin: Mitarbeiter protestieren gegen Gehaltslücke und fordern gleiche Bezahlung
Rund 50 nichtärztliche Mitarbeiter der Sana-Klinik in Templin haben am Donnerstag mit einer aktiven Mittagspause ihren Unmut über die Gehaltsunterschiede zum Mutterkonzern deutlich gemacht. Sie folgten damit einem Aufruf ihrer Tarifkommission, die von der Gewerkschaft Verdi unterstützt wird. Verdi hatte den Tarifvertrag zum Jahresende 2025 gekündigt, was die aktuellen Verhandlungen auslöste.
Forderung nach Angleichung der Gehälter
Vor dem Eingang des Krankenhauses versammelten sich die Beschäftigten, um zum Auftakt der Haustarifverhandlungen die Schließung der sogenannten Lohnlücke zu fordern. Es sei nicht hinnehmbar, dass 37 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung die Mitarbeiter in Templin immer noch elf Prozent weniger Entgelt erhalten als ihre Kollegen in anderen Häusern des Sana-Krankenhausverbundes in Berlin und Brandenburg. „Uns fehlt es an Wertschätzung. Die Konzernleitung sollte sich schämen, dass die Mitarbeiter in Templin nach so langer Zeit immer noch keine 100 Prozent bekommen“, erklärte Doris Hänschke, eine der Protestierenden.
Unterstützung durch Verdi und mögliche Streiks
Bei der ersten Verhandlungsrunde legte die Arbeitgeberseite kein Angebot vor, was die Unzufriedenheit weiter schürte. Eine Mehrheitspetition mit 116 Unterschriften, die die Forderung nach gleichem Geld für gleiche Arbeit unterstützt, wurde an Klinikdirektor Florian Schulz übergeben. Verdi-Gewerkschafter Marco Pavlik machte deutlich: „Wenn am Verhandlungstisch nicht reagiert wird, dann kommt es darauf an, dass möglichst viele Mitarbeiter nicht nur die Lippen spitzen, sondern auch bereit sind, bei einem Warnstreik zu pfeifen.“ Diese Aussage stieß auf breite Zustimmung unter den Anwesenden.
Kritik an den Arbeitsbedingungen und Personalengpässen
Die Mitarbeiter betonten, dass sie unter oft herausfordernden Bedingungen arbeiten. Annett Jacob sagte: „Es wäre doch einfach nur gerecht, wenn wir genauso viel verdienen wie die Kollegen in Berlin. Wir arbeiten genauso hart und manchmal sogar mit weniger Personal.“ Michael Jacob fügte hinzu, dass es Überwindung gekostet habe, für die eigenen Rechte einzustehen, aber nach zwei Jahrzehnten unter dem Dach von Sana sei die Gehaltsangleichung immer noch nicht erreicht.
Kerstin Halbrock, ein Verdi-Mitglied, wies darauf hin, dass die Arbeitgeberseite die Gehaltsunterschiede mit geringeren Fallzahlen in Templin begründet habe. „Aber gerade in den vergangenen Monaten hatten wir mit Überbelegung und einer Vielzahl von Fällen mit erhöhtem Pflegeaufwand, vielen bettlägerigen Patienten zu tun. Außerdem mussten langzeitkranke Kollegen ersetzt werden“, so Halbrock. Dies habe zu viel Frust geführt.
Auswirkungen auf die Personalgewinnung
Susanne Köhler, Mitarbeiterin im OP, verdeutlichte die langfristigen Folgen der Gehaltslücke: Junge Leute würden erst gar nicht nach Templin ziehen, wenn sie woanders 500 Euro mehr erhielten. Dies verschärfe den Personalmangel und belaste das bestehende Team zusätzlich.
Reaktion der Sana-Klinik
Krankenhausdirektor Florian Schulz nahm die Petition entgegen und versprach, sich am Verhandlungstisch am 21. April wiederzusehen. Sana-Unternehmenssprecherin Kati Brand äußerte sich auf die Forderungen der Belegschaft: „Die Beschäftigten leisteten täglich einen unverzichtbaren Beitrag für die medizinische Versorgung der Menschen. Ihr Engagement unter oft herausfordernden Bedingungen verdiene Anerkennung, Respekt und attraktive Arbeitsbedingungen.“ Sie betonte, dass für 143 Kolleginnen und Kollegen der Haustarifvertrag gelte und die Forderungen von Verdi ernst genommen würden. Inhaltlich wolle man sich jedoch noch nicht äußern.
Die Protestaktion, bei der die Mitarbeiter mit Trillerpfeifen und Sprechchören um das Krankenhaus marschierten, zog auch die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich. Die nächste Verhandlungsrunde wird entscheidend sein, ob die Gehaltslücke geschlossen werden kann oder weitere Maßnahmen wie Streiks folgen.



