SNCF-Eleganz-Leitfaden mit Figurtipps löst Gewerkschaftsstreit in Frankreich aus
SNCF-Eleganz-Leitfaden löst Gewerkschaftsstreit aus

Französische Bahn zieht umstrittenen Eleganz-Leitfaden nach Kritik zurück

Die französische Staatsbahn SNCF hat mit einer Bekleidungs-Etikette für ihre Beschäftigten einen handfesten Gewerkschaftsstreit ausgelöst. In der 40-seitigen Broschüre mit dem Titel "Élégance à la Française" fanden sich nicht nur allgemeine Kleidungsempfehlungen, sondern auch konkrete Tipps zu Schminke und zur passenden Kleiderwahl je nach Figurtyp. Nach massiver Kritik von Gewerkschaften und der Öffentlichkeit wurde der Leitfaden umgehend zurückgezogen.

Figurtypen und Korrekturvorschläge sorgen für Empörung

Besonders kontrovers waren die detaillierten Ratschläge zu verschiedenen Körpertypen. So wurde etwa einer Frau mit dreieckiger Körperform empfohlen, "enge Röcke und voluminöse Taschen an den Hüften" zu vermeiden und stattdessen "ein helles oder farbiges Oberteil, eine strukturierte Jacke, Schulterpolster oder einen breiten Kragen" zu tragen, um "die Silhouette im Oberkörperbereich auszugleichen". Für rundliche Männer enthielt der Leitfaden den Rat, "dunkle Oberteile zu wählen" und "Jacken, die die Hüften bedecken", um "die Silhouette zu verlängern und optisch zu verschlanken".

Die Gewerkschaft Sud-Rail bezeichnete den "TGV Eleganz-Leitfaden" als Schande und kritisierte scharf, dass der Arbeitsvertrag zwar für einen Teil der Eisenbahner das Tragen einer Uniform vorschreibe, aber nicht das Anpassen ihrer Silhouette und ihres Aussehens an ästhetische Anforderungen der Bahn. Die Einteilung von Menschen in verschiedene Körpertypen, die teils "korrigiert" oder "wieder ins Gleichgewicht" gebracht werden müssten, suggeriere, dass manche Figuren als "problematisch" betrachtet würden.

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Sexistische und grossophobe Äußerungen kritisiert

In einer Stellungnahme erklärte die Gewerkschaft: "Diese Art von Äußerungen sind sowohl sexistisch als auch grossophob" - also stigmatisierend gegenüber Menschen mit Übergewicht. Auch die enthaltenen Schmink- und Schönheitstipps wurden als veraltet kritisiert und mit den Sechzigerjahren verglichen. Die Broschüre richtete sich speziell an Mitarbeiter im TGV-Fernverkehr, die keine Uniform trugen, aber dennoch die "französische Eleganz" verkörpern sollten.

Sofortiger Rückzug und interne Untersuchung

SNCF-Fernverkehrschef Alain Krakovitch reagierte prompt auf die Kritik und ließ den Leitfaden unverzüglich zurückziehen. Auf der Plattform X schrieb er: "Das entspricht weder unseren Werten noch unseren Methoden gegenüber unseren Mitarbeitern." Eine interne Untersuchung solle nun sicherstellen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole. Nach Angaben der SNCF wurde die Broschüre ohne Genehmigung verbreitet, was die Situation zusätzlich verschärfte.

Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang von Unternehmen mit dem Erscheinungsbild ihrer Mitarbeiter auf und zeigt, wie sensibel das Thema Körperbild und ästhetische Vorgaben in der Arbeitswelt ist. Während die SNCF betonte, dass der Leitfaden nicht den offiziellen Unternehmenswerten entspreche, fordern Gewerkschaften nun klare Richtlinien, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

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