Tarifkonflikt der Länder: Signale der Kompromissbereitschaft vor dritter Verhandlungsrunde
Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes der Länder gibt es unmittelbar vor der dritten Verhandlungsrunde in Potsdam von beiden Seiten deutliche Signale der Kompromissbereitschaft. Während Tausende Beschäftigte in Düsseldorf mit einem großen Warnstreiktag und einer Kundgebung vor dem nordrhein-westfälischen Landtag demonstrieren, positionieren sich Arbeitgeber und Gewerkschaften für die entscheidenden Gespräche.
Arbeitgeber konkretisieren Angebot
Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), verwies auf bereits vorgelegte Eckpunkte, die „im Saldo über 5 Prozent Steigerung“ enthalten. „Das können und werden wir weiter konkretisieren – gerade für diejenigen, die Dienst zu ungünstigen Zeiten leisten, nachts, an Sonn- und Feiertagen oder im Wechselschicht- und Schichtdienst“, erklärte Dressel. „Auch das Azubi-Paket kann noch angereichert werden.“ Der Senator betonte die Bereitschaft zu konstruktiven Gesprächen, die jedoch die finanziellen Realitäten der Länder anerkennen müssten.
Gewerkschaften fordern Anlehnung an Bundestarif
Auch aus dem Kreis der Gewerkschaften ist Kompromissbereitschaft zu vernehmen, allerdings mit klaren Maßstäben. Verdi erklärt, dass der Abschluss für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen aus dem vergangenen Jahr als Maßstab dienen müsse. Dieser sah nach einem Schlichtungsverfahren eine Entgelterhöhung von insgesamt 5,8 Prozent in zwei Schritten bei 27 Monaten Laufzeit vor. Die Gewerkschaften fordern für die Tarifbeschäftigten der Länder hingegen sieben Prozent mehr Einkommen – mindestens aber 300 Euro mehr – bei einer Laufzeit von nur 12 Monaten.
Große Diskrepanzen trotz Annäherung
Damit wird deutlich, dass die Tarifparteien trotz der Signale noch weit auseinander liegen. Die Eckpunkte der Arbeitgeber sehen Entgelterhöhungen leicht über der Inflationserwartung in drei Schritten in den Haushaltsjahren 2026, 2027 und 2028 mit 29 Monaten Laufzeit vor. Dies steht im deutlichen Kontrast zu den Forderungen der Gewerkschaften nach einer kürzeren Laufzeit und höheren prozentualen Steigerungen.
Massive Warnstreiks in Nordrhein-Westfalen
Parallel zu den Verhandlungsvorbereitungen haben die Gewerkschaften in Nordrhein-Westfalen zu einem großen Warnstreiktag aufgerufen. Betroffen sind Schulen, Universitätskliniken und weite Teile der Landesverwaltungen. In Düsseldorf wollen Verdi-Chef Frank Werneke und der Chef des dbb-Beamtenbunds, Volker Geyer, vor Tausenden Teilnehmern auf einer Kundgebung sprechen. Besonders einschneidend: Fünf lange Tunnel werden zeitweise gesperrt, da sich auch Mitarbeiter im Kontrollraum des Landesbetriebes Straßen.NRW an den Streikaktionen beteiligen.
Die dritte Tarifrunde in Potsdam wird zeigen, ob die Signale der Kompromissbereitschaft in eine konkrete Einigung münden können oder ob der Arbeitskampf weiter eskaliert. Beide Seiten betonen zwar ihren Willen zur Lösung, doch die finanziellen und tarifpolitischen Unterschiede bleiben erheblich.



