Zalando-Standortschließung: Betriebsrat drängt auf direkte Gespräche statt Gerichtsverfahren
Zalando-Standortschließung: Betriebsrat will direkte Gespräche

Zalando-Standortschließung: Betriebsrat drängt auf direkte Gespräche statt Gerichtsverfahren

Im anhaltenden Konflikt um die geplante Schließung des Zalando-Standorts in Erfurt hat der Betriebsrat erneut seine Bereitschaft für direkte Verhandlungen mit dem Vorstand des Unternehmens bekräftigt. Während der Internet-Modehändler überraschend ein Schlichtungsverfahren vor dem Arbeitsgericht beantragt hat, möchte die Arbeitnehmervertretung die Angelegenheit lieber am Verhandlungstisch klären.

Plötzlicher Schlichtungsantrag sorgt für Irritationen

Der Erfurter Zalando-Betriebsratsvorsitzende Tony Krause betonte: „Wir möchten für die Kollegen am Verhandlungstisch mit dem Arbeitgeber zum Ziel kommen und das nicht vor Gericht austragen.“ Das Modeunternehmen hatte am vergangenen Freitag völlig überraschend für die Arbeitnehmervertretung das Arbeitsgericht Erfurt angerufen und die Einrichtung einer Einigungsstelle beantragt.

Zalando strebt über dieses Schlichtungsgremium noch im Mai eine Einigung über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die rund 2.700 betroffenen Mitarbeiter an. Die Standortschließung ist für Ende September geplant. Krause erklärte jedoch deutlich: „Wir sind noch nicht so weit, dass wir sagen, wir müssen uns vor Gericht einigen.“

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Betriebsrat hatte Verhandlungen vorbereitet

Der Betriebsrat hatte eigentlich für diesen Montag die Verhandlungen über Sozialplan und Interessenausgleich aufnehmen wollen und bereits weitere Terminvorschläge unterbreitet. Nun wurde jedoch noch vor Beginn dieser Gespräche ein Schlichtungsgremium beantragt. Solche Gremien werden normalerweise unter einem neutralen Vorsitz eingesetzt, wenn Verhandlungen scheitern und ein Konflikt festgefahren ist – was in diesem Fall noch gar nicht eingetreten war.

Der Betriebsrat hält weiterhin an seinem grundsätzlichen Ziel fest, den Zalando-Standort in Erfurt zu erhalten. „Ob der in der Größe erhalten werden kann und mit der Mitarbeiteranzahl, das steht auf einem anderen Blatt“, räumte Krause ein.

Kritik von Bodo Ramelow

Der Linke-Politiker und frühere Ministerpräsident Bodo Ramelow, der aktuell als Berater für den Betriebsrat tätig ist, übte scharfe Kritik am Vorgehen des Zalando-Vorstands. Er verglich die Situation mit einer Verkehrsmetapher: „Der Vorstand habe eine Überholspur mit einer Notfallspur verwechselt, die im Kiesbett ende.“

Ramelow, der auch Bundestagsvizepräsident ist und früher Gewerkschafter war, sagte weiter: „Etwas handwerklich so schlechtes, habe ich noch nie erlebt.“ Seiner Ansicht nach verzögere nicht der Betriebsrat die Verhandlungen, sondern derjenige, der die Arbeitnehmervertretung umgehen und nicht sauber verhandeln wolle.

Offene Fragen und soziale Absicherung

Der Betriebsrat hatte einen umfangreichen Katalog mit 73 Fragen eingereicht, die nach seinen Angaben bisher nur teilweise und unvollständig beantwortet worden sind. Zu den ungeklärten Punkten gehören etwa die Eigentumsverhältnisse der für Zalando in Erfurt errichteten Hallen sowie realistische Perspektiven für eine Fortsetzung des Standorts oder alternative Lösungen.

Bei der sozialen Absicherung der 2.700 Beschäftigten müssten besonders vulnerable Gruppen wie Schwerbehinderte und Alleinerziehende berücksichtigt werden, betonte Krause. „Wir möchten nicht verzögern, nur richtig informiert werden“, stellte der Betriebsratsvorsitzende klar.

Die Situation bleibt angespannt, während beide Seiten unterschiedliche Wege zur Lösung des Konflikts bevorzugen. Während Zalando auf ein beschleunigtes Schlichtungsverfahren setzt, besteht der Betriebsrat auf direkten Verhandlungen, um die Interessen der betroffenen Mitarbeiter bestmöglich zu vertreten.

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