Zalando-Standortschließung in Erfurt: Einigungsstelle soll Sozialplan-Verhandlungen moderieren
Nach der endgültigen Schließungsentscheidung für das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt drängt der Internet-Modehändler nun auf eine rasche Einigung über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die betroffenen Mitarbeiter. Das Management hat beim Arbeitsgericht in Erfurt offiziell die Einrichtung einer Einigungsstelle beantragt, um die anstehenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat zu moderieren und zu beschleunigen.
Unternehmen strebt zeitnahe Klarheit für Belegschaft an
Ein Unternehmenssprecher betonte, dass es zwar bereits erste Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung gegeben habe, jedoch noch keine konkreten Verhandlungen über die Ausgestaltung des Sozialplans. „Auch wenn wir weiterhin kein realistisches Szenario für den Weiterbetrieb des Standorts durch Zalando sehen, sind wir überzeugt, dass dieser Weg zeitnah eine verlässliche Grundlage für die persönliche Zukunftsplanung für die Mitarbeitenden bietet“, erklärte das Unternehmen. Das neu einzusetzende Schlichtungsgremium unter neutralem Vorsitz soll dabei helfen, gemeinsam mit dem Betriebsrat schnellstmöglich Klarheit für die rund 2.700 Beschäftigten zu schaffen.
Der Spruch dieser Einigungsstelle wird für beide Vertragsparteien bindend sein und soll einen ausgewogenen Interessenausgleich sowie einen tragfähigen Sozialplan sicherstellen. Zalando plant, die Verhandlungen bereits im Mai aufzunehmen, um den betroffenen Mitarbeitern frühzeitig Planungssicherheit zu bieten.
Betriebsrat übt scharfe Kritik am Vorgehen des Managements
Die Arbeitnehmervertretung reagierte umgehend mit deutlicher Kritik auf diesen Schritt. In einer offiziellen Stellungnahme warf der Betriebsrat dem Unternehmen vor, mit der Beantragung der Einigungsstelle „den Pfad der direkten Verständigung“ zu verlassen. „Statt in einen konstruktiven Dialog über den Interessenausgleich und Sozialplan zu treten oder die Hintergründe der Schließungspläne umfassend aufzuklären, versucht Zalando nun, den Betriebsrat gerichtlich in eine Einigungsstelle zu zwingen“, hieß es in der Mitteilung.
Aus Sicht der Betriebsräte verfolgt Zalando mit diesem Manöver ein klares Ziel: „Damit wolle Zalando den Weg für Kündigungen frei machen.“ Die Arbeitnehmervertretung bemängelt zudem, dass das Unternehmen bisher zahlreiche essentielle Fragen unbeantwortet gelassen habe. Dazu gehören insbesondere:
- Alternative Konzepte für den Erhalt des Standorts
- Spezifische Schutzmaßnahmen für besonders vulnerable Personengruppen wie Alleinerziehende, Schwerbehinderte und langjährige Mitarbeiter
- Eine sachliche Überprüfung der behaupteten Alternativlosigkeit der Schließungsentscheidung
Hintergrund: Geplante Schließung und erste Unterstützungsmaßnahmen
Das großflächige Logistikzentrum von Zalando in der thüringischen Landeshauptstadt soll planmäßig Ende September 2026 komplett geschlossen werden. Bereits in der vergangenen Woche fand eine erste Jobmesse mit mehr als 80 interessierten Unternehmen aus der Region statt, bei der sich nach Unternehmensangaben etwa 1.100 Mitarbeiter über alternative berufliche Perspektiven informierten.
Zusätzlich bietet Zalando interne Stellenbörsen an und hat die Agentur für Arbeit eingebunden, die direkt am Standort Beratungsgespräche durchführt. Trotz dieser ersten Unterstützungsangebote bleibt die Situation für die Belegschaft angespannt, während die kontroversen Verhandlungen über den Sozialplan nun unter Aufsicht einer gerichtlich eingesetzten Einigungsstelle geführt werden sollen.



