Zugbegleiter Maurice Lucke: Ein Job zwischen Service und Gefahr
Maurice Lucke fährt eigentlich gerne Bahn. Der 28-Jährige arbeitet als Kundenbetreuer im Nahverkehr bei der DB Regio Mitte in Frankfurt. Sein Alltag umfasst Fahrkartenkontrollen, Durchsagen und Hilfestellungen für Fahrgäste. Doch hinter dieser Routine lauern ständige Risiken, wie der jüngste tödliche Vorfall mit seinem Kollegen Serkan Çalar zeigt.
Der Schatten eines tödlichen Angriffs
Serkan Çalar, ein 36-jähriger Zugbegleiter, wurde Anfang Februar in der Nähe von Landstuhl während einer Fahrkartenkontrolle von einem Fahrgast durch Faustschläge so schwer verletzt, dass er später starb. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken ermittelt wegen Totschlags. Lucke kannte Çalar nicht persönlich, doch dieser Vorfall unterstreicht die latenten Gefahren, die Zugbegleitern täglich drohen.
Verbale Übergriffe und Bedrohungen sind für Lucke keine Seltenheit. Er berichtet: „Ich hatte jetzt noch keine tätlichen Übergriffe, sondern immer nur verbale Übergriffe, Beleidigungen, manchmal auch Bedrohungen.“ In solchen Situationen setzt er auf Deeskalation und Rückzug, um Konflikte zu vermeiden.
Eine beängstigende Begegnung
Besonders eindrücklich ist eine Erinnerung an eine Fahrt nach Mannheim. Lucke weckte einen Gast ohne Ticket und begann, dessen Daten aufzunehmen. Plötzlich stand der Mann auf, zog seine Jacke aus und knackte mit den Fingern. „Da war mir klar, wenn ich ihn aufschreiben würde, würde er mir vielleicht die Nase brechen“, sagt Lucke. Er brach die Kontrolle ab, erfand eine Ausrede und zog sich zurück. „Ich bin dann einen Wagen weitergegangen, hatte natürlich Herzrasen und ich konnte in dem Moment auch irgendwie nichts mehr machen“, erinnert er sich. Die Situation löste bei ihm eine Schockstarre aus.
Bodycams als Sicherheitsmaßnahme
Seit Mai 2025 hat Lucke die Möglichkeit, eine Bodycam zu tragen. Nach einer Schulung entscheidet er selbst über deren Einsatz. „Es wird dann für 72 Stunden gespeichert. Das kann auch nur von der Bundespolizei ausgelesen werden, ohne Tonaufnahme“, erklärt er. Die Kamera gibt ihm ein Sicherheitsgefühl, doch er hat sie bisher nicht aktiviert. „Aber es gibt natürlich auch nicht die hundertprozentige Sicherheit“, betont er. Bei extremen Situationen würde er sie einschalten, doch selbst dann sei Gewalt nicht ausgeschlossen.
Priorität: Gesund nach Hause kommen
Lucke, der anonym mit einem anderen Namensschild unterwegs ist, zieht sich bei Bedrohungen konsequent zurück. „Für mich ist mein Leben einfach das Wichtigste“, sagt er. Die DB Regio unterstützt diese Haltung: „Die Bahn zieht auch nie Konsequenzen, wenn ich jetzt mal irgendwas nicht durchgesetzt habe oder so. Also denen ist es auch wichtig, dass ich im Endeffekt gesund nach Hause komme.“ Trotz der Risiken bleibt seine Leidenschaft für den Job ungebrochen, geprägt von Freude am Umgang mit Menschen und Interesse an ihren Geschichten.



